Almsaison beginnt unter besonderen Vorzeichen

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Kärnten Werbung-GF Christian Kresse, LK-Präsident Johann Mößler, Agrarreferent LR Martin Gruber und Almwirtschaftsvereins-Obmann Josef Obweger (v.l.) setzen auf Eigenverantwortung und ein gutes Miteinander von Almen und Tourismus.

In den nächsten Wochen treiben Kärntens Almbauern ihre Tiere wieder auf. Nach dem Tiroler „Kuhattacken-Urteil“ wurden wichtige Rahmenbedingungen geändert. Forderungen der LK Kärnten nach Rechtssicherheit und mehr Eigenverantwortung wurden erfüllt.

Den Beginn der Almsaison nahmen Landwirtschaftskammer Kärnten, Land Kärnten, Almwirtschaftsverein und Kärnten Werbung zum Anlass, über die aktuelle Situation nach dem Tiroler Kuhattacken-Urteil zu informieren. Im Mittelpunkt steht dabei die Aufrechterhaltung bzw. Sicherstellung der traditionellen Almwirtschaft in Kärnten, die bei rund 4.000 landwirtschaftlichen Betrieben zum Einkommen beiträgt und auch einen enormen Tourismusfaktor darstellt.

Rechtssicherheit und Eigenverantwortung

Kärnten ist mit fast 151.000 ha Almfläche ein echtes Almenland. Mit circa 46.000 Mutterkühen, dem Großteil davon gealpt, ist Kärnten aber auch ein Mutterkuhland. Deshalb hat das Urteil nach dem tragischen Zwischenfall im Tiroler Pinnistal auch für enorme Verunsicherung unter Kärntens Almbauern gesorgt. Aus diesem Grund hatte Agrarreferent LR Martin Gruber bereits am 28. Februar zu einem Runden Tisch eingeladen, um notwendige Maßnahmen abzustimmen. Kärntens LK-Präsident Johann Mößler: „Ich verwehre mich dagegen, dieses Urteil als ‚Einzelfall‘ zu bewerten oder gar zu verharmlosen, schließlich geht es um nicht weniger als eine existenzielle Frage für viele bäuerliche Betriebe.“ Mößler verweist darauf, dass die LK Kärnten sofort nach Bekanntwerden des Urteils zwei wichtige Punkte für die Almbauern eingefordert hat: „Einerseits haben wir mit Nachdruck auf entsprechender Rechtssicherheit für unsere Almbauern noch vor Beginn der Almsaison bestanden. Andererseits haben wir – wie auch schon in der Vergangenheit – die Eigenverantwortung der Almbesucher, insbesondere wenn sie mit Hunden unterwegs sind, eingemahnt. Ich bin deshalb sehr froh, dass Bundes- und Landesebene gemeinsam und rasch eine Lösung für die Almbauern erzielen konnten, die beide Punkte berücksichtigt.“

Verhaltensregeln und Versicherung

Vergleichbar mit den FIS-Regeln für Wintersportler wurden seitens der Bundesregierung unter Einbeziehung der Bundesländer, der Landwirtschaftskammern, der Almwirtschaft und des Tourismus 10 Verhaltensregeln für Touristen erarbeitet. Diese sind unter www.sichere- almen.at abrufbar. Josef Obweger, Obmann des Kärntner Almwirtschaftsvereins: „Wer sich auf den Almen als Freizeitnutzer bewegt, muss sich an gewisse Regeln halten. Nur mit entsprechendem Respekt für die Almbäuerinnen und Almbauern, für deren Eigentum sowie die Tiere ist ein gutes Miteinander von Almwirtschaft und Tourismus weiterhin möglich.“ In Kärnten wird mittels neu aufgelegter Folder und Hinweistafeln über diese Verhaltensregeln informiert. Zusätzlich bringt auch eine Versicherungslösung eine deutliche Entlastung für die Almwirtschaft. Diese soll die Almbauern im Fall eines Zwischenfalls schadlos halten, wobei die Versicherung subsidiär zu bestehenden betrieblichen Haftpflichtversicherungen zum Tragen kommt. Agrarreferent LR Martin Gruber: „Es ist uns gelungen, hier eine gute Lösung für unsere Almbauern zu erzielen, denen ein existenzbedrohendes Risiko abgenommen wurde.“ Die Kosten für die Versicherungsprämie in der Höhe von 19.000 Euro jährlich übernimmt dabei das Land Kärnten. Die Versicherungssumme beträgt für den Anlassfall jeweils 1 Mio. Euro. Damit habe die Politik Rahmenbedingungen geschaffen, um sowohl eine traditionelle Almwirtschaft als auch die Nutzung der Almen in der Freizeit zu gewährleisten, betont Gruber.

Tourismus auf der Alm boomt

Auf umfassende Information setzt die Kärnten Werbung. Deutsch- und englischsprachige Infofolder sowie Aufklärungsvideos mit Testimonial Franz Klammer sollen das Bewusstsein der Almbesucher für Gefahren und die Bedeutung der Eigenverantwortung schärfen. Christian Kresse, Geschäftsführer der Kärnten Werbung: „Die Gästebefragungen beweisen, dass Kärnten das Sport-Urlaubsland Nummer 1 in Österreich ist. Ein faires Miteinander auf den Almen ist uns daher besonders wichtig.“

Almwirtschaft in Kärnten stärken

Die Diskussion rund um das Tiroler Urteil hat jüngst viele andere Themen, die den Bauern unter den Nägeln brennen, überlagert. Etwa das Auftauchen des Wolfes in Kärnten verbunden mit ersten Wildrissen in den letzten Wochen. Oder die drohenden Kürzungen der finanziellen Mittel im Rahmen der nächsten GAP-Periode ab 2021. LK-Präsident Mößler weist darauf hin, dass der Almauftrieb im südlichsten Bundesland seit 2012 bereits um 13 % zurückgegangen ist „Wir müssen alles tun, um die bewirtschafteten Almen zu erhalten. Die Almbauern leisten unbezahlbare Arbeit für den Erhalt der Kulturlandschaft. Dieser wäre ansonsten wohl unfinanzierbar, müsste doch allein in Kärnten die öffentliche Hand zwischen 15 und 20 Mio. Euro pro Jahr dafür aufwenden. Das kann nicht im Interesse der Gesellschaft sein, deshalb muss die Almwirtschaft unbedingt gestärkt werden“, appelliert Mößler

Wussten Sie, dass…

  • es in Kärnten 1.769 Almen gibt?
  • die bewirtschaftete Almfläche Kärntens 150.714 ha beträgt? Das sind ca. 25 % der Agrarfläche und 16 % der Landesfläche.
  • jährlich rund 64.700 Stück Vieh von knapp 4.000 Betrieben gealpt werden?
  • 71 % der gealpten Tiere Rinder, 25 % Schafe und Ziegen und gut 2 % Pferde sind?
  • rund 30 % aller in Ö vorkommenden Pflanzenarten und rund 50 % aller Säugetiere, Vögel und Reptilien auf den Almen vorkommen und ein Ende der Bewirtschaftung einer Alm nachweislich zum Verlust der biologischen Vielfalt beiträgt?

Zahlen: 2018, Quelle Grüner Bericht 2018

Foto ©Landwirtschaftskammer Kärnten

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