Interview

Bewusstsein für regionale Lebensmittel

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Fotorechte: Landwirtschaftskammer/Präsident ÖR Ing. Johann Mößler

Landwirtschaftskammer-Präsident ÖR Ing. Johann Mößler im Interview:

Kärntens Landwirtschaft sucht verstärkt den Schulterschluss mit der Wirtschaft. Erst kürzlich fiel bei einer Rind- und Schweinefleischverkostung der Startschuss für die Aktion „Gastwirt trifft Landwirt“. Worum geht es dabei?

In Zukunft können die Gastwirte kostenlos an den Produktprämierungen und Sensorik-Schulungen der Landwirtschaftskammer teilnehmen. Wir wollen damit das Bewusstsein für regionale Lebensmittel bei den Kärntner Wirten vertiefen und ihnen die heimischen Produkte mit all ihren Vorzügen näher bringen. Das liegt im Trend bei den Konsumenten, hilft den bäuerlichen Betrieben und kann auch eine große Chance für die Gastronomen sein

Aber nicht nur die Wirtshäuser, auch die öffentliche Hand sollen künftig vermehrt auf Qualität vom Kärntner Bauern setzen.

Ja, auch hier sind wir aktiv und können schon auf einzelne Erfolge verweisen, so hat z.B. der Sozialhilfeverband Spittal seine Verpflegung auf 100% heimische Herkunft bei Milch, Fleisch und Eiern umgestellt. Wir fordern das von allen öffentlichen Verpflegungseinrichtungen – vom Kindergarten über das Krankenhaus bis hin zum Altenpflegeheim. Es kann ja nicht sein, dass die öffentliche Hand uns Bäuerinnen und Bauern vorschreibt, wie wir produzieren müssen und dann im eigenen Bereich Lebensmittel importiert, nur weil sie billiger sind. Das ist, gelinde gesagt, scheinheilig!

Die bäuerliche Interessenvertretung kämpft derzeit an vielen Fronten. Wären nicht auch die Land- und Forstwirte von einer zusätzlichen Lkw-Maut auf Landesstraßen betroffen, mit der die Politik immer wieder liebäugelt?

Die Idee dieser zusätzlichen Steuer ist ein frontaler Angriff auf den ländlichen Raum. Die Transportkosten würden steigen und damit das Gewerbe und den Handel am Land strukturell benachteiligen. Die Folge wäre der Verlust von Arbeitsplätzen am Land und damit einhergehend eine beschleunigte Abwanderung. Auch die Bauern wären betroffen, weil z.B. der Holz-LKW oder der Milchsammelwagen mautpflichtig wären und diese Kosten auf die Bauern überwälzt werden könnten. Wir haben gemeinsam mit der Wirtschaftskammer unser klares Nein zu dieser Maut ausgedrückt. Stattdessen fordere ich die Wiedereinführung der Zweckwidmung der Mineralölsteuer für den Straßenbau, damit wir die Landes- und Gemeindestraßen auch in Zukunft in Stand halten können.

Wie stehen Sie zur Debatte um die Ausweitung der Natura 2000-Gebiete? Bedeutet das nicht weitere Eingriffe in das Eigentumsrecht der Grundbesitzer?

Die Grundbesitzer haben die Kulturlandschaft seit Jahrhunderten bewirtschaftet und sie zu dem gemacht, was sie ist. Wenn man jetzt so tut, als ob man die Natur vor den Bauern schützen müsste, ist das der verkehrte Weg. Naturschutz kann nur gemeinsam mit den Grundeigentümern erfolgen und nicht über ihre Köpfe hinweg. Kärnten hat bereits viele Natura2000-Gebiete.Wir fordern, dass bei den noch anstehenden Ausweisungen die Kirche im Dorf gelassen wird und nicht mit wissenschaftlich fragwürdigen Kriterien tausende Hektar an Wirtschaftswäldern mit hohen Bewirtschaftungsauflagen quasi stillgelegt werden. Natura2000 Ausweisungen dürfen nur nach genauer Definition und Abgrenzung der Schutzgüter, unter Einbindung der Grundeigentümer und auch einer entsprechenden Entschädigung für Bewirtschaftungsauflagen erfolgen.

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