Gesundheit

Bischof Schwarz bei ökumenischem Empfang: Notwendige Reformen an Jesus Christus ausrichten – Liturgiker Kopp für intensivere Nutzung des bereits Möglichen

0
129
Liturgiewissenschaftler Kopp, Festredner beim ökumenischen Empfang, präsentierte sein neues Buch "Mehr als friedvoll getrennt? Ökumene nach 2017".

„Katholien und Protestanten haben allen Grund, von der Geschichte zu lernen, wie wichtig es ist, sich gemeinsam auf Jesus Christus hin zu orientieren und notwendige Reformen an ihm auszurichten“, sagte Diözesanbischof Dr. Alois Schwarz bei einem ökumenischen Empfang für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der ökumenischen Romreise im Februar dieses Jahres sowie für geladene Gäste mit hochrangigen Vertretern der Katholischen und der Evangelischen Kirche mit Superintendent Mag. Sauer an der Spitze Ende Oktober im Bischofshaus.

Das Jahr 2017 habe gleich zwei Jubiläen im ökumenischen Dialog aufzuweisen, nämlich 500 Jahre Reformationsgedenken sowie 50 Jahre Lutherisch-Katholischer Dialog. Der Kärntner Bischof erinnerte auch an die „denkwürdige und bewegende Begegnung in Augenhöhe“ von Papst Franziskus mit Vertretern des Lutherischen Weltbundes vor genau einem Jahr. Generalvikar Dompropst Msgr. Dr. Engelbert Guggenberger, mit Superintendent Sauer gemeinsam Vorsitzender der Ökumenischen Kontaktkommission der Diözese Gurk, bezeichnete Begegnung und Austausch als „zwei wichtige Grundpfeiler zur Förderung der Ökumene“.
Univ.-Prof. Dr. Stefan Kopp, Kärntner Priester und Ordinarius für Liturgiewissenschaft an der Theologischen Fakultät Paderborn, hat in seinem Festvortrag zum Thema „Liturgie als Ernstfall gelebter Ökumene“ die gemeinsamen Verpflichtungen und Herausforderungen von Christen im 21. Jahrhundert sowie das Potenzial von gemeinsam gefeierter Liturgie für die Ökumene in den Mittelpunkt gestellt. Es sei, so Kopp, „zweifellos ein Fortschritt, dass das Reformationsgedenkjahr 2017 als erstes in der Geschichte friedvoll, ohne politische Instrumentalisierungen konfessioneller Prägungen und gegenseitige Verwerfungen
begangen wird“. Gleichzeitig sei aber auch deutlich zu sagen, dass es hinkünftig ein deutliches „Mehr“ im Miteinander von evangelischen und katholischen Christen geben müsse. Dafür sei neben dem theologischen Diskurs „sicher auch eine geschwisterliche und niederschwellige Begegnung bei der gemeinsamen Feier der Liturgie unerlässlich“. „Wir tun eigentlich gottesdienstlich noch längst nicht einmal das, was wir längst tun könnten bzw. was möglich wäre, diskutieren aber stattdessen schon länger über viele Fragen, in denen wir noch nicht weiterkommen, z. B. über die volle Eucharistiegemeinschaft“, kritisiert Kopp. Papst Franziskus lebe vor, wie ein solcher gemeinsamer Weg im Bereich der Liturgie gelingen könne. Der ökumenische Gottesdienst des Lutherischen Weltbundes mit Papst Franziskus im schwedischen Lund habe deutlich gezeigt, „dass das ökumenische Ziel der Einheit des Christentums im 21. Jahrhundert maßgeblich durch solche Begegnungen auf Augenhöhe mit gemeinsamen gottesdienstlichen Initiativen vertieft werden kann“. Für die Zeit nach dem Reformationsgedenken gebe es, so Kopp, viel ökumenisches Potenzial. Als Beispiele nannte der Paderborner Liturgiewissenschaftler die Gebetswoche für die Einheit der Christen, ökumenische Bibelwochen und Feierformen in Taizé oder in Bose (Italien), ökumenische Wortgottesdienste sowie vor allem die ökumenische Feier der Tagzeitenliturgie, wie zum Beispiel das Mittagsgebet. „Je mehr das gottesdienstliche Leben eine Kraftquelle des gemeinsamen christlichen Lebens ist und je stärker die Verbundenheit im Glauben durch die Feier der Liturgie unter den Christen praktiziert wird, desto überzeugender und kraftvoller wird ihr Zeugnis für die Welt sein“, sagte Prof. Kopp.
Es werde sicher „auch weiterhin konfessionsspezifische Fragen geben, die innerhalb der Konfessionen auf der Tagesordnung bleiben müssen, doch sind die Bewältigung gemeinsamer Probleme des Christentums in Europa und darüber hinaus und eine echte Annäherung im christlichen Geist über das verhängnisvolle Prädikat ´friedvoll getrennt´ hinaus gerade heute besonders relevant“. Nicht zuletzt unter den gesellschaftlichen Vorzeichen von Säkularisierung und religiöser Pluralisierung, die gegenwärtig ein Gespräch weit über den innerchristlichen Bereich erforderlich machen würden, werde eine klare Profilierung des spezifisch Christlichen zunehmend wichtiger. Dabei müsse es unter den Christen darum gehen, „sich nicht nur in kontroverstheologischen Fragestellungen, sondern vor allem auch in der gemeinsamen Feier des Glaubens sowie im täglichen Leben anzunähern“.
Im Anschluss an den Festvortrag präsentierte Prof. Kopp das von ihm in Zusammenarbeit mit  dem Professor für Ökumenische Theologie an der Theologischen Fakultät Paderborn, Prof. Dr. Wolfgang Thönissen, herausgegebene Buch „Mehr als friedvoll getrennt? Ökumene nach 2017“ mit Beiträgen von Kurt Kardinal Koch, Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, dem Magdeburger Bischof und Vorsitzenden der Ökumene-Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, Dr. Gerhard Feige, dem Paderborner Superintendenten Volker Neuhoff u. a. Auf 360 Seiten stellen die Beiträge im Buch mit Blick auf geistige Grundlagen und bisher gegangene ökumenische Wege Fragen nach dem zukünftigen ökumenischen Potenzial. Das Buch „Mehr als friedvoll getrennt? Ökumene nach 2017“ ist im Verlag Herder erschienen und um € 39,10 im Buchhandel erhältlich.
Fotocredit: Theol. Fakultät Paderborn

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here