Wir dürfen nicht nur an den Kopf denken

Sport und Kreatives Gestalten sind für die Rektorin der PH, Dr. Marlies Krainz-Dürr, gerade in Zeiten der Digitalisierung wichtige Lehramtsfächer, die in Kärnten angeboten werden sollen.

Foto: Pädagogische Hochschule Kärnten Foto: PHK/Herbert Unterkircher

Im kommenden Schuljahr wird es in Kärnten möglich sein, das Lehramt Bewegung und Sport zu studieren. Warum ist das so wichtig?

Mit der Pädagog/innenbildung NEU, der vielleicht wichtigsten Bildungsreform seit Maria Theresia, gibt es keine eigene Ausbildung mehr für Gymnasiallehrer/innen und Lehrer/innen an Neuen Mittelschulen, sondern nur noch eine einheitliche Ausbildung für alle Lehrer/innen der Sekundarstufe, also aller Schulen der 10-19-Jährigen. Diese Lehramtsausbildung muss allerdings per Gesetz von den Universitäten und den Pädagogischen Hochschulen verantwortet werden. Das bedeutet, dass an den jeweiligen Standorten nur jene Fächer vermittelt werden können und dürfen, für die es auch einen Lehrstuhl an den Universitäten gibt. Das war im Fach Sport in Kärnten in den vergangenen vier Jahre nicht möglich.

Wer dieses Lehramt studieren wollte, musste in den vergangenen vier Jahre an einen anderen Universitätsstandort, beispielsweise Graz, ausweichen.

Wer nach Graz ausweicht, bleibt häufig dort und geht Kärnten verloren. Viele, die sich ein Studium außerhalb ihres Wohnortes nicht leisten können oder wollen, entscheiden sich stattdessen für andere Fächer. So würde unserem Bundesland mittelfristig ein Lehrkräftemangel auf diesem Gebiet drohen. Gerade Kärnten ist prädestiniert für ein Sportstudium. Nirgends sonst hat man so viele Möglichkeiten, so viele Sportarten in der Natur auszuüben. Da heißt, wir sind attraktiv auch für Studierende aus anderen Bundesländern und dem Ausland.

Marlies Krainz-Dürr, Rektorin der Pädagogischen Hochschule in Kärnten. Foto: PHK/fotofurgler

Sehen Sie Nachholbedarf auch in anderen Fächern?

Mindestens so dramatisch ist die Situation bei den Lehramtsfächern Bildnerisches Gestalten und Werken. Sie können im Süden Österreichs derzeit nicht angeboten werden, denn weder in Kärnten noch im Burgenland oder in Graz gibt es eine entsprechende Kunstuniversität. Da steuern wir in den nächsten Jahren einem massiven Lehrkräftemangel entgegen. Seit vier Jahren gibt es in diesen Fächern keine Absolventen mehr im Süden Österreichs.

Bildnerische Erziehung und Werken werden im Gegensatz zu kopflastigen Fächern vielfach als unbedeutend eingeschätzt.

Das ist eine eklatante Unterbewertung und verantwortungslos von den Bildungsverantwortlichen. Wir dürfen nicht nur an den Kopf denken. Handwerkliche Fähigkeiten werden in einer digitalisierten Welt ihre Bedeutung nie verlieren. Viele Arbeiten werden in Zukunft von Computern und Robotern – Stichwort: künstliche Intelligenz – übernommen werden. Aber Kreativität können Maschinen und Computerprogramme nicht liefern. Und wir werden immer Menschen brauchen, die etwas reparieren können, die mit ihren Händen arbeiten.

Und diese Aufgabe können diese Fächer erfüllen?

Ja, beim Werken und Bildnerischen Gestalten werden diese Fähigkeiten trainiert. Hier werden Interessen geweckt, Begabungen entdeckt und gefördert. Hier können die jungen Menschen ohne großen Notendruck ihre eigenen Potenziale erkennen und entfalten. Das ist berufsorientierend und im Hinblick auf den viel zitierten Lehrlings- und Facharbeitermangel essentiell für den Standort. Daher sollte der nächste Schritt sein, im Süden Österreichs entsprechende Studienmöglichkeiten zu schaffen, sonst werden uns hier die Lehrkräfte für NMS und Gymnasien ziemlich schnell ausgehen. |

Ausgabe 2 - März 2020

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