Assistenzhunde retten Leben

Laura Gentile hat sich im vergangen Jahr neben ihrem Masterstudium als Hundetrainerin selbstständig gemacht. Mittlerweile vertreibt sie auch ihr eigenes Produkt. Immer begleitet von ihrer Hündin Lychee, einem Zwergpudel mit wichtigen Aufgaben Denn die 23-Jährige hat ein Handicap – einmal mehr, einmal weniger sichtbar. Mit uns spricht Sie über psychische Erkrankungen, den Alltag mit Assistenzhund und über die Erfüllung ihres Traums. Manuela Mark

Foto: Assistenzhündin Lychee im Dienst

Was leisten Tiere für unsere mentale Gesundheit?

Laura Gentile: Oft macht die alleinige Anwesenheit eines Hundes Menschen viel sicherer. Dabei ist es egal, ob ein Hund groß oder klein ist – man fühlt sich geschützt. Gerade für Personen mit wenig sozialen Kontakten oder die an großer Schüchternheit leiden, kann ein Hund eine Basis sein, neue Bekanntschaften zu knüpfen. Nicht selten entstehen aus Begegnungen von Hundebesitzern auch tiefe Freundschaften. Aber auch innerhalb der vier Wände können Haustiere das Selbstvertrauen stärken und eine Gesprächsbasis sein. Egal ob Katze oder Kaninchen – es sind Lebewesen, die uns durchs Leben begleiten.

Wie erleichtert Ihnen Assistenzhündin „Lychee“ den Alltag?

Lychee ist bei mir, seit sie neun Wochen alt ist. Mein Ziel war es von Anfang an, sie als Assistenzhund auszubilden. Dabei war mir aber auch klar, dass sich nicht jeder Hund als Assistenzhund eignet. Glücklicherweise war aber schnell offensichtlich, dass sich Lychee charakterlich dafür eignen würde: Bereits mit drei Monaten konnte sie mir die Jacke ausziehen! Außerdem hilft sie mir, Sachen aufzuheben, Schubladen auf- und zumachen und weckt mich, wenn ich nachts unregelmäßig atme. Gerade bin ich dabei, ihr beizubringen, wie sie den Notfallknopf des Roten Kreuzes betätigt, wenn ich stürzen sollte. Da sich das Leben stetig verändert, kommen natürlich auch immer wieder neue Aufgaben hinzu – wie zum Beispiel das Ein- und Ausräumen der Waschmaschine. Zum Thema Psyche: Lychee zeigt Panikattacken an – damit bewahrt sie mich vor vielen unangenehmen, stressigen Situationen.

Haben Sie das Gefühl, dass psychische Erkrankungen in unserer Gesellschaft immer noch tabuisiert werden?

Auf jeden Fall! Psychische Erkrankungen sieht man nicht – und genau hier liegt das Problem. Nicht selten benötigen auch diese Menschen tierische Unterstützung! Für Außenstehende ist es aber nicht offensichtlich, dass es sich dabei um Assistenzhunde handelt. Ich sehe das Problem vor allem darin, dass nicht darüber gesprochen wird. Es ist wichtig, dass Betroffene damit an die Öffentlichkeit gehen. Ich mache kein Geheimnis daraus, dass ich nicht nur im Rollstuhl sitze, sondern auch das ein oder andere „unsichtbare“ Problem mit mir herumtrage, denn auch dafür ist Lychee da.

„Es muss mehr Verständnis
für psychische Erkrankungen
geschaffen werden.“

Wie erkenne ich einen Assistenzhund?

Der Begriff des Assistenzhundes ist gesetzlich verankert. Darin ist auch festgelegt, welche Eigenschaften und Prüfungen ein Hund vorweisen muss, um als Assistenzhund eingesetzt werden zu können. Meiner Meinung nach fehlt hier in der Bevölkerung das Bewusstsein, dass Assistenzhunde nicht einfach Haustiere sind, sondern dass ihre Aufgaben offiziell festgelegt sind. Ein solcher Hund muss gekennzeichnet sein – seit 2015 auch mit einheitlichem Logo. Es braucht mehr Verständnis dafür, was diese Tiere leisten – egal ob für sichtbares oder unsichtbares Handicap.

„Ein Assistenzhund
ist eine Hilfe, aber auch
eine Aufgabe.“

Assistenzhündin Lychee kennt den Rollstuhl von Anfang an.

Ist ein Hund nicht geprüft, bleibt er ein Familienhund, der Tricks kann. Ein Assistenzhund hat eine Aufgabe und hat deshalb auch andere Anforderungen. Ich muss ständig mit Lychee trainieren, damit sie am Ball bleibt.

Mir ist es wichtig, dass Leute Respekt vor dem Dienst des Hundes haben. Wenn der Hund gekennzeichnet ist, befindet er sich im Dienst und muss gewisse Aufgaben erfüllen, wie beispielsweise Blindenhunde ihre Besitzer über die Straße führen. Vielen ist es nicht bewusst, dass ein Assistenzhund ein Leben retten kann, indem er zum Beispiel einen epileptischen Anfall ankündigt. Wird der Hund in einer entscheidenden Situation abgelenkt, kann das schwerwiegende Folgen haben!

„Hunde sollen als
Freunde gesehen werden!
Da braucht es keine Schläge.“

Warum haben Sie sich schlussendlich selbst für eine Hundetrainer-Ausbildung entschieden?

Ich war schon immer ein riesiger Hundefan. Bei Lychee habe ich mich dazu entschlossen, sie selbst auszubilden – mit Hilfe einer Hundetrainerin. Die Prüfung mit Lychee hat mich motiviert, selbst die Ausbildung zur Tierschutzqualifizierten Hundetrainerin zu machen. Während meiner Ausbildung ist mir immer wieder aufgefallen, dass sich geplante Trainingseinheiten und Fortschritte schwierig dokumentieren lassen. So bin ich dann auch gleich auf die Idee gekommen, einen Hundekalender zu entwickeln. Meine Ausbildnerin hat mich schlussendlich dazu animiert, mich einfach als Hundetrainerin selbstständig zu machen – das kam unerwartet, aber ich habe mir damit einen Traum erfüllt! Im Training lege ich großen Wert darauf, mit positiver Bestärkung und ohne körperliche Bestrafung zu arbeiten. |

Ausgabe 1 - Feber 2020

Ausgabe 01 Feber-März 2020

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