Challenge Antibiotika

Droht ein Resistenzdesaster?

Die Kärntner GKK und die Ärztekammer für Kärnten warnen davor, dass Antibiotika durch falschen oder übermäßigen Einsatz ihre Wirkung verlieren könnten. Patienten und Ärzte sollen dabei mithelfen, die medizinische Errungenschaft nicht zu verlieren. Isabella Schöndorfer Foto: rawpixel

„Antibiotika müssen wirksam bleiben! Und jeder kann dabei mithelfen“, so die eindringliche Botschaft der Mediziner. Denn Antibiotika haben unzähligen Menschen das Leben gerettet und oft genug auch schwerwiegende Komplikationen verhindert. Heutzutage ist die Medizin jedoch im Begriff, eine ihrer größten Waffen gegen schwerwiegende Erkrankungen aus der Hand zu geben: Antibiotika verlieren immer mehr ihre lebensrettende Wirkung, da Bakterien durch falschen oder übermäßigen Antibiotika-Einsatz die Gelegenheit haben, sich an sie zu gewöhnen und Abwehrmechanismen gegen Antibiotika entwickeln. So entsteht die gefürchtete Antibiotika-Resistenz. Schon heute stehen für einige Infektionen kaum noch wirksame Antibiotika zur Verfügung.

„Wir wollen eine
Verschiebung hin zu
Antibiotika mit weniger
Nebenwirkungen
schaffen.“

OA Dr. Ulrich Zerlauth

Eine Ursache dafür ist unter anderem der falsche Umgang mit dieser Medikamentengruppe, darunter auch die nicht gerechtfertigte Anwendung. Die Folgen reichen von unerwartet auftretenden Behandlungsproblemen bei bakteriellen Infektionen durch Antibiotika-Resistenzen bis hin zur steigenden Gefahr des Ausbruchs einer unbeherrschbaren Seuche.

Neuer Patienten- und Ärztefolder

„Um diesen Entwicklungen entgegen zu wirken, haben die Kärntner Gebietskrankenkasse und die Ärztekammer für Kärnten eine gemeinsame Kampagne für eine stärkere Bewusstseinsbildung bei PatientInnen und ÄrztInnen ins Leben gerufen“, erklärt KGKK-Direktor Dkfm. Maximilian Miggitsch. „Alle Empfehlungen betreffend Infektionen, Antibiotika, Hausmittel und Hygiene haben Ärztekammer und KGKK in einem Folder für Patienten übersichtlich zusammengefasst – dieser wird den Patienten vom Arzt des Vertrauens im Bedarfsfall überreicht.“ Um auch die praktisch tätigen Ärzte zu unterstützen, wurde bereits 2015 und 2017 von der GKK und der Ärztekammer gemeinsam mit namhaften Fachexperten der Folder: „Antibiotika – Orale Therapieoptionen“ erarbeitet, der eine rasche Hilfestellung zur Auswahl geeigneter Substanzen geben soll. „Aufgrund des großen Interesses von Seiten der Ärzteschaft war es auch ein Anliegen der KGKK, eine, auf neuesten Studienerkenntnissen basierende Überarbeitung des Arbeitsbehelfes für 2020, aufzulegen“, berichtet Dr. Ulrich Radda, Leitender Arzt der Kärntner Gebietskrankenkasse.

OÄ Dr.in Agnes Wechsler-Fördös, Antibiotic Stewardship Beratung, vormals Rudolfstiftung Wien, Dr. Ulrich Radda, Leitender Arzt der Kärntner Gebietskrankenkasse, Dr.in Maria Korak-Leiter, 1. Kurienobmann Stellvertreterin – Ärztekammer Kärnten, Dkfm. Maximilian Miggitsch, Direktor der Kärntner Gebietskrankenkasse, OA Dr. Ulrich Zerlauth, Fachexperte Klinikum Klagenfurt a. W. (v.l.n.r.) Foto: KGKK

Antibiotika wirkungslos

Das Dilemma der modernen Leistungsgesellschaft ist groß: In den letzten Jahren hat sich der falsche Zugang in die Köpfe der Menschen eingeschlichen, wieder schnell zurück im Job sein zu müssen und sich keinen Krankenstand mehr leisten zu können. „Gerade in den Wintermonaten, Zeit der Atemwegsinfekte, die zu einem Großteil viral bedingt sind, kommt es zu einer massiven Steigerung von Antibiotika-Verschreibungen. Nur 20 Prozent der österreichischen Bevölkerung wissen, dass Antibiotika Viren NICHT abtöten“, erklärt Dr. Ulrich Zerlauth, Fachexperte aus dem Klinikum Klagenfurt am Wörthersee. Weil Antibiotika gegen Viren nicht wirken, wird der Arzt eine viral bedingte Erkältung ohne Antibiotika behandeln.

„Ich bin von der
Kompetenz unserer
Partnerärzte
hochüberzeugt.“

Dr.in Maria Korak-Leiter

Meist beginnend mit einem Schnupfen, breitet sich die Infektion oft über eine Halsentzündung bis in die Bronchien aus, was zu einem Erkältungshusten führen kann. Bei starken Schmerzen und hohem Fieber verschreibt der Arzt ein entzündungshemmendes, fiebersenkendes Medikament. Die sanfte Heilung von reichlich Lindenblütentee, Hausmitteln in Form von Wickeln und Bettruhe erlebt zu Recht eine Renaissance. „Wir bitten die PatientInnen, zu verstehen, dass der Arzt bei einem Infekt nicht sofort ein Antibiotikum aufschreibt, sondern den Krankheitsverlauf abwartet, und eine normale Erkrankung ohne – in diesem Fall unnütze – Antibiotika bestehen zu lassen. Bei einem Virusinfekt schadet ein Antibiotikum mehr, als es nützt, da es in den Körper eingreift, Nebenwirkungen haben kann und zu schweren Durchfallerkranken führen kann“, klärt Dr.in Maria Korak-Leiter auf.

Richtige Umgang mit Antibiotika

„Die Antibiotikaresistenz nimmt immer mehr zu. Einerseits durch den unkritischen Gebrauch der Antibiotika, andererseits nimmt man es über Fleischkonsum zu sich, da Antibiotika im Tierfutter zum Einsatz kommen. Wenn Antibiotika tatsächlich nötig sind, darf man sie nicht zu früh absetzen. Dann werden die Bakterien nicht abgetötet. Man erreicht nur, dass sie sich an dieses Antibiotikum gewöhnen“, so Dr. Maria Korak-Leiter, Kurienobmann Stellvertreterin der niedergelassenen Ärzte. „Daher ist es für die PatientInnen wichtig, wenn bei bakteriellen Infektionen Antibiotika verordnet werden müssen, die Anweisungen ihrer Ärztin/ ihres Arztes genau zu befolgen und auf keinen Fall selbst die Dosis zu verändern. Denn durch einen falschen Umgang können sich Resistenzen bilden und die Antibiotika wirken nicht mehr“, ergänzt Dr. Agnes Wechsler-Fördös, Fachexpertin von der Antibiotic Stewardship Beratung, vormals Rudolfstiftung Wien.

Diagnose soll optimiert werden

„Wir müssen in der Diagnostik besser werden!“, weißt Wechsler-Fördös auf das eigentliche Problem hin. Es müsse zielgenauer verschreiben werden. Denn in verschiedenen Bereichen würden laut OECD Antibiotika nicht korrekt eingesetzt werden. Zudem nahm der Antibiotikakonsum in den letzten 15 Jahren weltweit um 65% zu. Neueste Daten zeigen auch, dass eine kürzere Therapiedauer gleichwertig einer längeren Therapiedauer ist. Deshalb müsse die Verabreichung durch den Arzt optimiert werden. Damit der Praktiker möglichst zielgerecht verschreiben kann, braucht er eine Hilfestellung: Mit Schnelltests und CRP-Bestimmung soll eine Steuerungsfunktion erreicht werden. Erste Ergebnisse zeigen, dass auf diesem Weg signifikant weniger Antibiotika verschrieben wurden, als bei Patienten, die mit konventionellen Kriterien therapiert wurden. |

6 Hygiene-Tipps gegen Infektionen

1. Mehrmals täglich Hände mit Wasser und Seife Waschen – 30 Sekunden, auch zwischen den Fingern, nach dem Toilettenbesuch, vor jeder Mahlzeit und nach Tierkontakt.

2. Verwenden Sie Einmaltaschentücher und entsorgen Sie diese nach Gebrauch umgehend.

3. Husten und Niesen Sie nicht in die Hand, sondern in die Armbeuge.

4. Lüften Sie mehrmals täglich zur Verbesserung des Raumklimas.

5. Lassen Sie sich gegen Infektionskrankheiten impfen. Da sich das Grippevirus rasch verändert, ist eine jährliche Impfung erforderlich.

6. Speziell ältere oder chronisch kranke Personen, aber auch Kinder als häufige Überträger sollten geimpft werden.

Info

Antibiotika helfen nicht gegen Viren!

Antibiotika sind Medikamente, die zur Behandlung bakterieller Infektionen angewandt werden. Bakterien werden abgetötet oder im Wachstum gehemmt. Achtung! Bei Infektionen, die durch Viren verursacht werden, wie etwa einer Erkältung oder Grippe, sind Antibiotika wirkungslos!

Ausgabe 1 - Feber 2020

Ausgabe 01 Feber-März 2020

Sonderausgabe notare in Kärnten

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