Wer pflegt uns morgen?

Kärntens Bevölkerung wird immer älter, der Bedarf an gut ausgebildetem Pflegepersonal steigt. Wie will man in Zukunft gepflegt werden und wer will pflegen? Sandra Bergner

Foto: Pflege: Berufliche Entscheidung oder eine Frage von Menschlichkeit und Fürsorge? Foto: Pixabay

Euphorisch bis tieftraurig erleben wir die Jugend, selbstfindend, kritisch oder unbeschwert das junge Erwachsenenleben; solide, reich an Erfahrung, sesshaft oder zum Ausbrechen bereit werden wir Eltern, Chefs, Trendsetter, womöglich Weltenbummler; ausgeglichen, müde oder weise kommen wir in die Jahre. Jeder Lebensweg ist einzig in seiner Art. Geprägt von großen Träumen, Alltagspflichten und besonderen Momenten streben wir nach Anerkennung, suchen wir nach dem Sinn unseres Daseins. So treffen Generationen aufeinander, jeden Tag. Der tieftraurige Jugendliche auf die weise Dame von nebenan, der solide Papa samt Kreditlasten auf die kritische Schönheit Mitte 20, bereit, die Welt zu verändern. Jeder ein Teil der Gesellschaft, ein Teil des Ganzen.

Doch welchen Platz nimmt der Mensch ein, wenn er den Alltag alleine nicht mehr meistern kann? Wenn er auf die Pflege anderer angewiesen ist und Betreuung braucht?

Wie einzigartig ist der Lebensweg an dieser Stelle noch? Und wer von den unbeschwerten jungen Erwachsenen oder soliden Eltern entscheidet sich, diese Aufgabe zu übernehmen? Ist es eine Frage der beruflichen Laufbahn oder eine Frage von Menschlichkeit und Fürsorge innerhalb der eigenen Familie? Wer pflegt uns morgen?

Hier ein paar Fakten: In Österreich arbeiten derzeit 62.000 Menschen in der Pflege, schon in zehn Jahren werden weitere 14.000 Pflegekräfte benötigt werden. Rund 455.000 Menschen beziehen in Österreich Pflegegeld – täglich kommen 27 Personen hinzu. Statistisch betrachtet, bedeutet das, man müsse jeden dritten Tag ein zusätzliches Pflegeheim eröffnen. Kann dieser Bedarf gedeckt werden? Und welcher Schwerpunkt will in Zukunft im Pflegebereich gesetzt sein?

Für Wilfried Hude, Direktor der Schule für Sozialbetreuungsberufe, ist entscheidend, zwischen Pflege und Sozialbetreuung zu unterscheiden. „Ein alter Mensch ist ja nicht krank“, so Hude. In Institutionen, in denen zwischen den pflegerischen Tätigkeiten oft keine Betreuung der Menschen stattfindet, muss umgedacht werden. Denn auch pflegebedürftige Menschen, ob müde oder weise, sehnen sich nach Anerkennung und Zuwendung. Das Gefühl, in der Gesellschaft sehr wohl noch einen Platz zu haben, gebraucht zu werden, vermittelt die Wertschätzung, nach der Mensch strebt. In jeder Zeit seines Lebens.

Ist dieser Wunsch in den eigenen vier Wänden – umgeben von nahestehenden Menschen – leichter zu erfüllen, als in einer Einrichtung? Was bedeutet es für einen alten Menschen, sein Zuhause hinter sich zu lassen, bepackt mit einigen besonderen Erinnerungsstücken und bequemen Hausschuhen. Oder nimmt der Umzug in eine Institution dem Betroffenen eine große Last von den Schultern? Eines steht fest: Da und dort darf es an Menschlichkeit, Respekt, Anerkennung und Herz nicht fehlen.

Neben großen Worten besteht auch noch ein weiterer essentieller Faktor, der die Thematik prägt: Wie kann man in Zukunft ausreichend Frauen und Männer für den Pflegeberuf gewinnen? Denn es braucht ausreichend Personal in den verschiedenen Pflegebereichen – von Heimhilfe bis Pflegefachkraft.

Es will also an alles gedacht sein. Im Mittelpunkt stets der Mensch, der junge, der alte, der kritische, der weise, der müde und der sesshafte.

Denn auch die Pflegekräfte, die bereits an einem Zeitpunkt ihres Lebens entschieden haben, anderen Menschen zu helfen, wollen wertgeschätzt werden. „Immerhin begleiten wir Menschen oft in den letzten Stunden ihres Lebens“, formuliert der diplomierte Krankenpfleger Daniel Köfler.

Das leuchtet ein. Denn so individuell, wie sich das Leben eines Menschen entwickelt, sollen sich auch Pflege und Begleitung im Alter gestalten. Jeder Weg ist ein anderer, jede Geschichte, jede Wahrheit. Doch jeder will wahrgenommen und für das, was er macht, wertgeschätzt werden. Das gilt für Chefs und Weltenbummler, für Pflegebedürftige und Pfleger gleichermaßen.

Egal, wer uns morgen pflegt und welche Ausbildung er genießen wird, er weiß die Geschichten und Wege zu schätzen: Der euphorische Schönling, der schon in jungen Jahren erkennt, wo seine Berufung liegt; die zweifache Mutter, die erst später im Leben den Sinn in der helfenden Tätigkeit findet; der Trendsetter, der nach Feierabend den eigenen Vater betreut oder der siebenjährige Nachzügler der Familie, der Oma am Abend stolz eine Geschichte vorliest. Kann man nur hoffen, dass es viele sind. |

Ausgabe 2 - März 2020

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