Umwelt-Musterschüler gesucht

Seit einem Jahr gibt es Milch in der Glasflasche. Ob man es gut findet oder nicht, das gab es doch schon mal, oder? Und was ist dann eigentlich passiert? Sandra BergnerFoto: pixabay

Schon seit 1900 verpackt man Milch in Glas­flaschen. Mit dem Plastikzeitalter kam die Kon­kurrenz. 1968 setzt sich dann endgültig der Tetrapack aus Karton und Plastik durch. Erst 2018 wird Milch wieder in Glas gefüllt – jedoch als Wegwerfverpackung.

Die größte heimische Molkerei „Berglandmilch“ setzt alle Hebel in Bewegung, um die Glasverpackung zur Mehr­wegverpackung zu machen. Dazu nimmt man 8 Millio­nen Euro in die Hand und baut eine spezielle Wasch­ und Füllanlage für Milchflaschen aus Glas. Ab Herbst soll es sie dann geben: die Mehrweg­Glasflasche mit Pfand. Aber auch das ist nicht neu. Glas mit Pfandrückgabe gab es schon einmal für alle. Am Ende der 1990er Jahren wur­den überhaupt fast drei Viertel aller Getränkeverpackun­gen wiederverwendet. Heute liegt die Mehrwegrate bei 22 Prozent.

Was ist passiert?

Eine unscharf formulierten Verpackungszielverordnung, die später dann komplett aufgehoben wurde, führt dazu, dass es gar keine Regelung mehr gibt. Das Ergebnis sehen wir heute. Stellt sich die Frage, warum in Österreich ungern wieder befüllt wird? In skandinavischen Ländern haben sich Pfandflaschen durchgesetzt, auch in Deutsch­land gibt’s Pfand auf alles: Dosen, PET und Glas. Das Ergebnis: 100 Prozent Recycling.

Doch scheinbar ist die Verpackungsrückgabe für den Handel eine Belastung, denn Rückgabe bedeutet zusätz­liche Kosten für Lager Flächen, Transport und auch Mitarbeiter. Oder belastet es sogar den Kunden? Denn der Mensch, also der Konsument, hat sich über die Jahre stark verändert. Die Geschäftsführerin von Vöslauer, der führenden Mineralwasser-­Marke in Österreich, sieht den Wandel klar: Man könne nicht gegen das Kundenverhal­ten und deren Bedürfnisse arbeiten. Und der Kunde ist heute viel unterwegs: Man arbeitet mobil, man lernt mobil, man isst mobil und trinkt mobil. Der Kunde will also schnell kaufen, schnell trinken, schnell entsorgen und dann weiter? Entsorgt der Kunde in der Eile dann wenigstens richtig?

Es häufen sich 42.000 PET­-Flaschen jährlich in Öster­reich an Müll. Davon werden 73% getrennt gesammelt – also richtig entsorgt. Alles andere landet im Restmüll und wird verbrannt. Nach genauer Aussortierung werden schlussendlich aus 25 Prozent der PET-­Flaschen tatsäch­lich wieder PET­-Flaschen gemacht. Und das, obwohl die EU vorgibt, das getrennte, richtige Sammeln müsse auf 90 Prozent steigen.

Wer ist hier also der Musterschüler? Glas, PET, Tetrapack oder der Kunde? Der Konsument greift auf jeden Fall wieder – trotz aller Eile und Veränderung – gern zur Milch im Glas. Eines kann man zumindest sagen: Das Mehrweg-­Glas ist dann wirklich besser, wenn die Distan­zen, die für das Produkt zurückgelegt werden müssen, nicht sehr groß sind. Wenn das nicht der Fall ist, kommt man an einen Punkt, an dem das Einwegprodukt umweltfreundlicher ist. Die Zukunft bleibt also milchig bis undurchsichtig. |

Ausgabe 3 - Juni 2020

Ausgabe 03 Juni 2020

Ausgabe 2 - März 2020

Ausgabe 02 März 2020

Sonderausgabe notare in Kärnten

Hier werden Cookies verwendet! Die advantage-Webseite verwendet Cookies um Inhalte und Werbeanzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf die advantage-Webseite zu analysieren. Diese Informationen werden unter Umständen auch von unseren Werbepartner genutzt. Lesen Sie mehr dazu in der Datenschutzerklärung.