Zeit für eine Energiewende

Mit der Studie „Erneuerbare Energien in Österreich“ untersuchen die Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, die Wirtschaftsuniversität Wien, Deloitte Österreich und Wien Energie seit 2015 jährlich die Einstellung der österreichischen Bevölkerung zu diesem Thema. Wir haben Studienautorin Nina Hampl zum Interview getroffen. Isabella Schöndorfer

Foto: Die Photovoltaik ist bei den Österreichern so beliebt wie noch nie. Foto: Adobe-Stock

Wie ist die Akzeptanz von erneuerbaren Energien heute? Wie sieht die demografische Aufteilung aus?

Die Akzeptanz ist beispielsweise abhängig von der Weltanschauung und Einstellung der jeweiligen Personen. Ausschlaggebend ist auch, welche Erfahrungen jemand gemacht hat. Deshalb ist es wichtig, dass sich auch Privatpersonen an Projekten zu erneuerbaren Energien beteiligen können – zum Beispiel durch Anteilsscheine und Renditen. In unseren Studien haben demografische Faktoren wie Alter, Geschlecht oder Einkommen weniger Einfluss auf die Akzeptanz. Es gibt viele Personen, die sich vorstellen können, sich beispielsweise ein Elektroauto zu kaufen, es aber aufgrund des hohen Preises nicht tun. Da spielt das Einkommen dann doch auch eine Rolle.

Foto: Institutsvorständin des Instituts für Produktions-, Energieund Umweltmanagement der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt Nina Hampl. Foto: Walter Elsner

Bürgerbeteiligungen und Gemeinschaftsprojekte sind in – wie schaffen sie es zu einer nachhaltigen Entwicklung?

Umsetzungsprozesse zu erneuerbaren Energien müssen transparent abgewickelt werden und Bürgerinnen und Bürger sollten daran teilhaben. So kann die Akzeptanz in der Bevölkerung erhöht werden. Eine Möglichkeit sind Projekte in der Region mit Investitionsmöglichkeiten und Renditen für Beteiligungen.

Warum stößt die Windkraft in Österreich an ihre Grenzen?

Die Windkraft hat das große Problem, dass sie sichtbar ist. Windkraftanlagen lassen sich nicht verstecken und viele Personen empfinden sie als störend. Besonders die ältere Generation wehrt sich oft dagegen. Das liegt daran, dass durch die Turbinen ein gewohntes Landschaftsbild verändert wird. In Regionen, in denen Windkraft schon seit Längerem präsent ist, ist die Bevölkerung diesbezüglich offener. Der Großteil der Bürger steht der Windkraft eher neutral gegenüber. Natürlich ist der Einsatz von Windkraft nicht überall sinnvoll – zum Beispiel gibt es geschützte Zonen, wo die Anlagen den Lebensraum gewisser Tierarten oder auch Tourismusregionen stark beeinträchtigt werden. Photovoltaikanlagen haben einen entscheidenden Vorteil: Man kann sie auf oder in bestehende Infrastruktur integrieren. Beispielsweise bietet Tesla einen „Solarziegel“ an, wodurch die Photovoltaikanlage in den Grundbau eines Hauses integriert werden kann. Im Bereich der gebäudeintegrierten Photovoltaik gibt es aber auch noch viele andere Beispiele - wie Balkonfronten mit integrierten Modulen.

„Die Photovoltaik ist der
absolute Liebling der Österreicher.
Hier kann bestehende
Infrastruktur für erneuerbare
Energie genutzt werden.“

Nina Hampl

Wer achtet in Zukunft auf den Tourismus?

Speziell in Tourismusregionen sind sichtbare Anlagen ein großes Problem. Durch die immer stärkere Leistungsfähigkeit werden sie auch größer und sind damit noch weiter sichtbar. Gemeinsam mit der BOKU haben wir ein Projekt gestartet, dass sich mit Windkraft- und Photovoltaikanlagen in Tourismusregionen befasst. Mittels 3D-Visualisierung wollen wir hier auch zeigen, wie sich der Bau von Windkraft- oder Photovoltaikanlagen auf die jeweilige Region auswirkt.

#mission2030: Ist in Zukunft alles erneuerbar?

Die österreichische Klima- und Energiestrategie #mission2030 setzt unter anderem zum Ziel, den Stromverbrauch bis 2030 national bilanziell zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien zu decken. Der Großteil soll aus Photovoltaik, Windkraft und Wasserkraft kommen. Um das umzusetzen, müssen jetzt Rahmenbedingungen geschaffen werden – die allgemeine Stimmung in der Bevölkerung für den Ausbau der erneuerbaren Energien ist heute so gut wie noch nie. Zur Zeit mangelt es noch an der Umsetzung der Projekte. Das kommende Erneuerbaren Ausbau Gesetz ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Was ist die Rolle Österreichs in Sachen erneuerbare Energien und wo stehen wir?

Aufgrund der vorhandenen Ressourcen steht Österreich sehr gut da – besonders bei der Wasserkraft. Mit rund 60 Prozent Wasserkraft im Strommix sind wir anderen EU-Ländern weit voraus. Durch den hohen Waldbestand haben wir auch einen großen Vorteil in Sachen Biomasse, die nicht nur im Strombereich, sondern auch im Wärmebereich eingesetzt werden kann. Bis 2020 sollen dem österreichischen EU-Ziel nach 34 Prozent von Strom, Wärme und Verkehr aus erneuerbaren Energien kommen – Österreich liegt jetzt schon bei 33,5 Prozent.

Kritiker der erneuerbaren Energien behaupten, dass wir den Weltbedarf der Zukunft mit Atomenergie optimal und umweltfreundlich absichern könnten. Was halten Sie davon?

Am Beispiel Japan wird deutlich: Japan ist ein hochtechnologisiertes Land, trotzdem kam es vor einigen Jahren zu einem Reaktorunfall. Man kann nicht davon ausgehen, dass eine westliche Bauweise einen solchen Unfall verhindern kann. In Großbritannien wird derzeit ein neues Atomkraftwerk gebaut, Hinkley Point. Es zeigt sich allerdings, dass die Kosten für den Bau und die Sicherheitsmaßnahmen viel zu hoch sind, sodass sich das Kraftwerk überhaupt nicht rentiert. Erneuerbare Energien sind im Endeffekt also günstiger. Atomkraft ist zwar CO2-frei und effizient, die möglichen Schäden stehen aber in keiner Relation. |

Fact-Box


der Eigenheimbesitzer will in eine erneuerbare Wärmeversorgung investieren

89%
sind für einen Kohleausstieg bei der Stromproduktion

54%
würden sich für ein Elektroauto entscheiden

40%
interessieren sich für Bürgerbeteiligungsprojekte

Ausgabe 2 - März 2020

Ausgabe 02 März 2020

Sonderausgabe notare in Kärnten

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