Stillstand oder Wendepunkt?

Bei heimischen Unternehmern nachgefragt

Ein Land in der Krise und Köpfe voller Ideen: Unsere heimischen Unternehmer beweisen einmal mehr, was sie können. Auch wenn die Zeiten schwierig sind, geben sie alles, um das Beste für sich und Ihre Kunden herauszuholen – wir haben uns umgehört. Manuela Mark

„Ich konnte mich ungebremst auf mein Business konzentrieren“

Die Auswirkung der Corona-Krise auf meine unternehmerische Tätigkeit war sogar leicht positiv würde ich sagen. Meine langfristigen Projekte blieben mir erhalten und dazu kamen neue, „krisenbedingte“ Aufträge. Meinen Arbeitsplatz verlegte ich umgehend nach Hause und persönliche Kundentermine wurden durch Telefonkonferenzen ersetzt. Besorgt war ich hauptsächlich um die Gesundheit meiner Familie, Angehörigen und Mitmenschen – speziell die Menschen, die zur Risikogruppe zählen. Abgesehen davon war die soziale Isolation für mich sehr belastend – es war aber äußerst motivierend zu sehen, dass sich meine Tätigkeit als krisenresistent erwiesen hat. Auch wenn die Zukunft ungewiss ist, glaube ich, dass die Erneuerung einiger Wertvorstellungen hilfreich wäre - in wirtschaftlich turbulenten Zeiten, wenn es erfahrungsgemäß viele Verlierer und wenige Gewinner in einer Gesellschaft gibt.

Florian Krall IWE, Ziviltechniker für Wirtschaftsingenieurwesen & Maschinenbau

„Wir müssen froh sein, in so einem Land zu leben“

Während der Corona-Krise mussten wir unseren Standort vom Schloss Ferlach zugunsten eines Selbstbedienungs-Ladens kurzzeitig in das Lokal „Time-Out“ verlegen. Dabei wollten wir Kundinnen und Kunden die Möglichkeit bieten, in Ruhe kontaktlos einzukaufen. Zusätzlich haben wir uns entschieden, mehrmals pro Woche Zustellungen anzubieten. Diese Kombination von Shop und Restaurant wollen wir auch in Zukunft beibehalten und weiter ausbauen, dabei legen wir stets Wert auf frische und regionale Lebensmittel. Die nächsten Monate sind viele Aus- und Umbauarbeiten geplant, um das Angebot der Vorratskammer an mehreren Standorten und online anbieten zu können. Ich sehe viele positive Aspekte in der Krise, aus der wir lernen können: Das betrifft besonders den Regionalkonsum – es hat sich gezeigt, dass die Globalisierung eben auch ihre Schattenseiten hat.

Hannes Piskernik, Inhaber der „Vorratskammer“ in Ferlach

Hannes Piskernik:" Ich sehe viele positive Aspekte in der Krise, aus der wir lernen können". Foto: Manuel Wutte

„Nie hätte ich gedacht, dass die Welt so schnell zum Stehen kommen kann“

Seit vier Jahren führe ich das NICOYA-Studio in Klagenfurt. Yoga zu unterrichten ist ein Teil meiner Identität geworden. Nach ein paar Tagen Weltschmerz und Trauer habe ich mich besinnt, schließlich gibt es immer etwas zu tun: Neben neuen Kooperationen, dem Aufbau meiner Marke und dem Umbau des Studios widmete ich mich vor allem meiner eigenen Yogapraxis und Selbstreflexion. Mit Hilfe meines Freundes konnte ich binnen weniger Tage Onlinekurse realisieren, die es mir ermöglichen, Leute in ganz Österreich, Deutschland und der Schweiz zu erreichen. Ich sehe in dieser Krise Neuorientierung, die großes Potential mit sich bringt. So sind Klassen erstmals nicht auf wenige TeilnehmerInnen limitiert, sondern für alle von zu Hause zugänglich. Das Feedback ist so gut, dass meine Online-Kurse auch nach der Krise Teil das Stundenplans bleiben werden. Ich bin sicherlich mit Krise gewachsen und konnte neue Möglichkeiten entdecken, in Kontakt zu bleiben und zu unterrichten.“

Nicola Felsberger, Yogainstructor & Inhaberin NICOYA-Yoga

„Die Krise zeigt, dass wir bereit für die Zukunft sind“

Persönliche Termine waren nicht möglich, deshalb mussten wir auf Telefonate und virtuelle Besichtigungen zurückgreifen. Wir haben also unsere unbewohnten Immobilien mittels 3D-Kameras gefilmt – selbst die Technikgegner waren spätestens jetzt von den Vorteilen der digitalen Möglichkeiten überzeugt. Wir haben sehr von dieser guten Infrastruktur profitiert – so konnten wir das Ansteckungsrisiko minimieren und mit unseren Interessenten virtuelle Rundgänge durchführen. Diese Maßnahmen sehen wir besonders in Zukunft als zeiteffiziente Lösung, die wir beibehalten und ausbauen werden. So ist für internationale Kunden keine Anreise notwendig und wir können ihnen trotzdem jeden Winkel des Objektes zeigen und auch weiterhin Transparenz garantieren. In der nächsten Zeit soll jeder Mitarbeiter mit einer eigenen Kamera ausgestattet werden. Im Immobilienbereich zeigt sich eine „Stadtflucht“ – wir bemerken eine verstärkte Nachfrage bei ländlichen Baugrundstücken. Der Trend geht definitiv in Richtung Anlage- und Renditeobjekte.

Thomas Kircher, Geschäftsführer Raiffeisenimmobilien Kärnten

Foto: Valentin Tscharre

„In solchen Situationen lernt man, lösungsorientiert zu denken“

Ich war insofern von der Corona-Krise betroffen, dass die persönlichen Termine und Beratungen vor Ort nicht möglich waren. Ich habe deshalb über Videotelefonie auf Onlineberatungen gesetzt und habe mir Daten digital zukommen lassen. Diese Entwicklung hat gezeigt, dass persönliche Kundentermine in manchen Fällen nicht notwendig sind – hier sehe ich abgesehen von der Verhinderung einer Ansteckung eine Zeitersparnis auf beiden Seiten. Ich entnehme dieser Krise mehr Positives als Negatives: Die Gesellschaft beginnt, regionale Wertschöpfung zu überdenken. Mir ist es wichtig, mich solchen Herausforderungen zu stellen und mich nicht Problemen hinzugeben. Man muss die Entwicklungen dieser Krise mit Weitblick betrachten, um positive Schlüsse ziehen zu können. Fakt ist: Miteinander ist immer wirkungsvoller, als gegeneinander zu arbeiten!

Manuel Wutte, CEO KW-Systems

Ausgabe 3 - Juni 2020

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