Geht’s dem Klima gut ...

... geht‘s der Wirtschaft gut!

Für die Sicherung von Arbeitsplätzen, Wohlstand und Wachstum braucht es erfolgreiche Unternehmen. Sie tragen auch eine große Verantwortung, wenn es um Klimaschutz geht und sie nehmen diese immer stärker wahr. Maßnahmen zum Klimaschutz bringen nicht nur Vorteile für die Umwelt, sie bieten auch Chancen zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit. Foto: Adobe-Stock

Klimawandel? Was, den gibt es wirklich? Diese Reaktion war lange Zeit nicht ungewöhnlich, wurde doch der vom Menschen verursachte Wandel des Klimas von vielen schlichtweg ignoriert oder als übertriebene Panikmache abgetan. Derzeit scheinen nur noch unverbesserliche Verschwörungstheoretiker zu bezweifeln, dass der zu hohe CO₂-Ausstoß zur Erderwärmung beiträgt und rasch Maßnahmen gesetzt werden müssen, um die Klimabelastung einzudämmen. Ob diesen Bewusstseinswandel Greta Thunberg und der Fridays For Future-Bewegung der Jugend geschuldet ist oder ob er sich durch die dramatischen Waldbrände am Amazonas, in der sibirischen Tundra und im australischen Outback buchstäblich in das Bewusstsein der Weltöffentlichkeit eingebrannt hat, lässt sich schwer sagen. Fest steht mittlerweile, dass niemand um die Themen Klimawandel und Klimaschutz umhinkommt.

Noch lange nicht am Klimaziel

Die Fakten sprechen für sich: Laut UN-Klimaschutzprogramm müssten jedoch die klimaschädlichen Emissionen zwischen 2020 und 2030 jährlich um 7,6 Prozent sinken, um die Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad Celsius einzugrenzen, wie das bei der Pariser Klimaschutzkonferenz von 2015 vereinbart wurde. Von diesem Ziel sind wir derzeit noch weit entfernt. Auch Österreichs Klimaschutz-Ambitionen reichen derzeit nicht aus. Laut Klimaschutzbericht 2019 des österreichischen Umweltbundesamtes betrugen die Treibhausgas-Emissionen in Österreich 2017 rund 82,3 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent, was im Vergleich zu 2016 eine Steigerung um rund 3,3 Prozent (ca. 2,7 Millionen Tonnen) bedeutet. Auch wenn der Ausstoß von 2017 auf 2018 um 3,7 Prozent gesunken ist, wäre es zu früh von einer Trendwende zu sprechen. Angesichts der Risiken und Kosten des Klimawandels besteht Handlungsbedarf.

Hohe Folgekosten des Klimawandels

Die Folgekosten der Klimaveränderung könnten für Österreich laut Klimaschutzbericht bis 2050 jährlich bis zu 5 Milliarden Euro betragen, sofern keine Gegenmaßnahmen gesetzt werden und wenn die globale Temperaturerwärmung sich unter 2 Grad Celsius einpendelt. Nach den Berechnungen des Umweltbundesamtes würden für Strafzahlungen bis 2030 bis zu neun Milliarden Euro anfallen, wenn Österreich die Klimaziele verfehlt. Eine der wichtigsten Maßnahme ist der Wechsel hin zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaftsweise, auch Dekarbonisierung genannt. Vor allem im Bereich der Mobilität und bei der Energieerzeugung muss der Trend weg von fossilen Brennstoffen gehen. Selbst wenn der Ausstieg aus der kohlenstoffintensiven Wirtschaft rasch erfolgt und umgesetzt wird, sind damit hohe Kosten verbunden. Allerdings sind die Kosten, wenn nichts getan wird, deutlich höher: Nach Analyse der OECD könnten sofortige Maßnahmen, die eine Veränderung unsere Produktions- und Wirtschaftsweise bewirken, die Wirtschaftsleistung der G20-Länder durchschnittlich um 2,5 bis 2,8 Prozent steigern. Rechnet man noch die Kosten für die Folgen eines ungebremsten Klimawandels bis 2050 mit ein, die dadurch vermieden werden können, steigt dieser Effekt auf durchschnittlich 4,7 Prozent. Wird jedoch erst ab 2025 gehandelt, könnte dies zu einem Rückgang der wirtschaftsleistung um durchschnittlich 2 Prozent bis 2035 führen. Bleibt die Dekarbonisierung aus, betreffen die negativen wirtschaftlichen Folgen den Tourismus, die Land- und Forstwirtschaft, den Energiebereich und das Gesundheitswesen. Hinzu kommen demographische, soziale und humanitäre Auswirkungen – Stichwort Klimaflüchtlinge.

Klimaschutz als Wirtschaftsfaktor

Um die Begrenzung auf unter 2 Grad zu erreichen, sind laut Experten zukunftsfähige Lösungen wie z.B. Investitionen in langlebige Infrastruktur und Technologien gefragt, die einen Ausstieg aus der Nutzung fossiler Energieträger ermöglichen. Der Klimawandel birgt nicht nur Risiken, vor allem Maßnahmen zum Klimaschutz bieten Chancen für Österreichs Wirtschaft. Umwelt- und Klimaschutz sind ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in der Alpenrepublik. Österreichische Betriebe sind bereits jetzt in mehreren Umwelttechnologiebranchen Weltmarktführer. In den Bereichen erneuerbare Energietechnologien, Recycling und Abfalltechnologie, Wasser- und Abwasser- sowie Luftreinhaltetechnologie haben österreichische Betriebe im Export einen überdurchschnittlich hohen Weltmarktanteil und sind national wie international besonders wettbewerbsfähig.

Bei Umsatzwachstum, Exportquote und bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung im Bereich Umwelttechnik liegen die heimischen Betriebe und Dienstleister deutlich über dem nationalen Durchschnitt im Vergleich mit anderen Branchen. Sie sind innovativ und exportorientiert und wachsen schnell. Das sind gute Voraussetzungen, um die Chancen, die der Klimaschutz eröffnet, zu ergreifen und auszubauen. Kann sich Österreich sich als Vorreiter in neuen klimafreundlichen Zukunftsindustrien etablieren, hat das langfristig positive Auswirkungen auf die Wertschöpfung und Beschäftigung im Land und sichert damit die internationale Wettbewerbsfähigkeit. Im Jahr 2017 waren im Sektor „umweltorientierte Produktion und Dienstleistung“ österreichweit über 180.000 Menschen beschäftigt und es wurde ein Umsatz von rund 36 Milliarden Euro erzielt.

Chance für Kärntner Unternehmen

Auch Kärntner Unternehmen behaupten sich mit klimafreundlichen Produkten und Dienstleistungen erfolgreich wie z.B. im Solarbereich, bei Biomasse, Turbinenbau, Leitungsbau für Wasserkraft und Wärmeversorgung, Hightech-Produkte und Chipproduktion, oder der Abfallwirtschaft. Der Energiesektor ist mit einem Anteil von über 99 Prozent Strom aus erneuerbarer Energie (vor allem Wasserkraft sowie Biomasse und Photovoltaik) österreichweit Vorreiter. Auch in der Landwirtschaft liegt Kärnten mit einem Anteil von 20 Prozent der Agrarfläche für Bio-Landwirtschaft im europäischen Spitzenfeld.

Auf den Klimaschutz als Innovations- und Wachstumsmotor haben auch die Vertreter des Landes, der Wirtschaftskammer und der Industriellenvereinigung beim Ersten Kärnten Wirtschaftskonvent hingewiesen. Nachhaltigkeit, Ökoinnovationen, Bioökonomie und Klimaschutz seien nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht Zukunftsthemen. Kärnten biete sich die Chance mit umweltfreundlichen Innovationen sowohl wirtschaftlich wie gesellschaftlich zu profitieren, so der Tenor. Werden diese Chancen ergriffen, so ist Zuversicht angebracht, dass es den Kärntner Unternehmen gelingen kann, Klimaschutz und Wirtschaft in Einklang zu bringen. Ganz nach dem Motto: Geht’s dem Klima gut, geht‘s der Wirtschaft gut! |

Ausgabe 1 - Feber 2020

Ausgabe 01 Feber-März 2020

Sonderausgabe notare in Kärnten

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