Günther Goach

Digitalisierung verändert Arbeitsmarkt

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Günther Goach, Präsident Arbeiterkammer Kärnten

Die Welt befindet sich in einem Veränderungsprozess. Das betrifft nicht nur Umwelt und Politik, sondern auch den Arbeitsmarkt. Die Digitalisierung nimmt Einfluss auf alle Bereiche des Lebens – auch auf unseren Job.

Wir haben mit Günther Goach, seit 15 Jahren Präsident der Arbeiterkammer Kärnten, über digitalen Wandel, Arbeitslosigkeit, duale Ausbildung und Burnout gesprochen.

Advantage: Wie wollen Sie den digitalen Wandel in der Gesellschaft berufs- und bildungstechnisch mitgestalten?

Günther Goach: Eines ist sicher: Der Digitalisierungsprozess wird uns Arbeitsplätze kosten. Studien sagen voraus, dass durch den digitalen Wandel 600.000 bis 800.000 Arbeitsplätze verloren gehen werden und nur 200.000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Wenn in immer kürzerer Zeit, immer weniger Menschen immer mehr herstellen, dann ist es in erster Linie wichtig, dass Arbeit gerechter verteilt wird und man die Arbeiter in neue Berufe integriert.

Wie sehen Sie die  „neue Form“ der Arbeit?

Es gibt eine großflächige Veränderung in der Arbeitsform. Fabriken sind menschenleer, was aber nicht heißt, dass es weniger Menschen gibt. Diese stattfindende Veränderung bedeutet, dass Aufgaben, die früher von Menschen durchgeführt wurden, heute von Robotern übernommen werden. Damit die Menschen weiterhin Beschäftigungen haben, muss Bildung an erster Stelle stehen – Bildung ist ein wirtschaftlicher Rohstoff. Staat und Gesellschaft müssen auf die die Herausforderung des digitalen Wandels reagieren und sie bewerkstelligen. Das funktioniert nur mit entsprechend qualifizierten Mitarbeitern.

Inwiefern ist Bildung eine Chance in der digitalen Zukunft?

Grundsätzlich gilt immer: Bildung ist wichtig. Menschen mit einem geringen Bildungsgrad neigen eher zu Arbeitslosigkeit. Die Arbeitslosigkeit in niederen Bildungsschichten liegt bei fast 50 Prozent. Das hat zur Folge, dass man nach längerer Arbeitslosigkeit nur schwer zurück auf den Arbeitsmarkt findet – das ist ein sehr langer Prozess. Bei Personen mit hohem Bildungsgrad ist dieser Prozess wesentlich kürzer. Außerdem muss die Spezialisierung in Unternehmen einen besonderen Stellenwert bekommen – hohe Bildung ist eine wichtige Basis, spezielle Vorgänge oder Tätigkeiten für das jeweilige Berufsfeld kann man aber nur praktisch im Betrieb erlernen – das ist Aufgabe der Unternehmer und erfolgt durch Schulungen oder Fortbildungen.

In welchen Bereichen mangelt es derzeit an Fachkräften?

Besonders im technischen Bereich mangelt es derzeit an Facharbeitern. Auch im Dienstleistungsbereich sind qualifizierte Fachkräfte ein knappes Gut. Das machen auch die Lehrlingszahlen deutlich: In Kärnten hab es 2002 gut 14.000 Lehrlinge, 2016 sind es nur noch 8.000. Es muss für mehr Dynamik gesorgt werden und klar gestellt sein, dass eine Lehre eine Ausbildung mit Zukunft ist.

Wie stehen Sie zur dualen Ausbildung und wie arbeiten Sie an einer gemeinsamen Zukunft in der Sozialpartnerschaft?

Duale Bildung ist unabdingbar. Die duale Ausbildung ist unser Wettbewerbsvorteil in Europa. Viele Länder schauen auf unser Ausbildungssystem, gerade was diese Ausbildungsform betrifft. Die Arbeiterkammer und die Sozialpartner haben viele gemeinsame Anliegen, unter anderem auch das Thema Ausbildung. Wir haben zum Beispiel gemeinsam die Lehrwerkstätte in Villach ins Leben gerufen,  die 80 Lehrlinge mit neuestem Equipment ausbildet, damit sie auf dem neusten Stand sind.

Wie sehen Sie die Zukunft des Arbeitsmarktes?

Es wird eine Veränderung der Arbeitswelt geben, wodurch sich die fehlende Qualifizierung bald als problematisch herausstellen wird. Wir müssen alle unsere bildungs- und ausbildungstechnischen Rohstoffe nutzen, um diese digitale Herausforderung anzunehmen. Die Veränderungen sind bereits überall sichtbar. Wir müssen gewillt sein, unseren Beitrag zu einer erfolgreichen Zukunft zu leisten und keine Angst zu haben.

Wo bleibt die menschliche Komponente in der digitalen Schnelllebigkeit?

Die digitale Schnelllebigkeit hat bereits in den letzten Jahren zu sehr hohen Burnout-Raten geführt. Diese Menschen brauchen dringend Unterstützung, damit sie Teil des Arbeitslebens bleiben können. Auch die ältere Generation braucht im schnellen digitalen Wandel Unterstützung, vor allem durch die immer weitere Aufschiebung des Pensionsalters. Für ältere Menschen ist die Situation viel schwieriger zu tragen als für junge Menschen, die in diese Situation hineingeboren wurden. Die „Menschlichkeit“ wird in Zukunft natürlich eine große Menge an Kosten verursachen aber unbedingt notwendig sein.

Welche Maßnahmen ergreift die Arbeiterkammer in Bezug auf digitalen Wandel und Leistungsdruck?

Das AMI – Arbeitsmedizinische Institut – ist eine gerne in Anspruch genommene Institution, wo wir Menschen helfen, wenn sie Probleme in der Arbeitswelt haben. Außerdem legen wir Wert, dass die Menschen nicht mit dem digitalen Wandel alleine gelassen werden. Das heißt, dass wir informieren sie über Veränderungen. Außerdem bieten und finanzieren wir zum Beispiel Sportprogramme für die für die am Arbeitsplatz notwendige Gesundheit, um den Arbeitsalltag zu erleichtern. Auch der „Bildungsgutschein“ wird gerne angenommen – besonders die vergünstigten Sprachkurse sind in der Bevölkerung sehr beliebt.

Fotorechte: Helge Bauer

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