Interview in voller Länge

„EIN ALPBACH FÜR DIE SEELE“

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Hotelière Simone Ronacher im Interview mit Arnold Mettnitzer

So lautet das Motto der Vortragsreihe im März im Therme & Spa Resort DAS RONACHER. Hier erlebt man das gesamte Spektrum des Wohlbefindens für Körper, Geist und Seele. Vom 19. März bis 2. April 2017 geht es darum, einen gesunden Geist in einem gesunden Körper zu beherbergen. Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens haben wir uns mit Gastgeberin Simone Ronacher und Psychotherapeut Prof. Dr. Arnold Mettnitzer für ein Interview zusammengesetzt – und erstaunlich einfache Antworten erhalten.

Wieviel Inspiration braucht der Mensch von heute?

Mettnitzer: Die größte Sehnsucht des Menschen ist der andere Mensch. Paracelsus, der Kärnten als sein „Ander-Vaterland“ bezeichnete, war davon überzeugt, dass „der Mensch des Menschen beste Medizin“ und „das beste Maß dafür die Liebe“ sei. Darin sehe ich ein wunderbares Leitmotiv für unser „Alpbach für die Seele“. Dabei geht es uns darum, Menschen einzuladen, die im Laufe ihres Alltags verloren gegangene Begeisterung und Lebensfreude wiederzuentdecken, die in ihnen schlummernden Potentiale entfalten zu können. Ich bin überzeugt davon, dass in jedem Menschen weit mehr steckt als er bisher in seinem Leben umzusetzen vermochte.

Ronacher: Uns war immer schon wichtig, dass wir mehr sind als ein Hotel. Ein Gast sagte einmal zu mir: „Frau Ronacher, Sie sind für mich wie eine Schutzhütte.“ Für mich war das ein großes Kompliment. Vor sieben Jahren kam mir der Gedanke, dass der Mensch zum Heilwasser und der Gourmetküche auch geistige Inspiration sucht. So entstanden die KULTURGASTSPIELE, die neben der wunderbaren Natur rund um das Ronacher und die herrlichen Therapien den Aufenthalt bereichern. Über die Jahre fiel mir auf, dass sich die Gäste besonders im Urlaub die Zeit gönnen, um in sich selbst hinein zu hören. Und so bin ich mit Dr. Mettnitzer auf die Idee gekommen, eine Art „Alpbach für die Seele“ ins Leben zu rufen. Es geht um die Begegnung und Gespräche in unserem Haus. Jeder kann das mitnehmen, was er darin sieht. Die Besucher haben die Möglichkeit, mit besonderen Persönlichkeiten und geistigen Meistern über die wesentlichen Fragen des Lebens zu reden. Schön wäre es, wenn die Gäste bei der Heimfahrt vom Ronacher mit Lust und Freude ihre gesetzten Ziele angehen. Wenn wir das schaffen, dass der Gast auch seelisch glücklicher nach Hause fährt, dann haben wir wieder ein weiteres Stückchen Schutzhütte geschaffen.

Welche Rolle spielt dabei die Seele?

Mettnitzer: Unsere „Seele“ spielt in allem, was wir tun, die entscheidende Rolle. Ganz deutlich erkennen wir das u.a. auch daran, wenn wir unserem Körper über längere Zeit Dinge zumuten, mit denen die Seele nicht mitzuspielenbereit ist. Wir sprechen dann von „psychosomatischen Störungen“ und meinen damit ja letztlich „nur“, dass wir unsere Balance verloren haben, dass „Innen“ und „Außen“ nicht mehr übereinstimmen. Unter „Seele“ verstehe ich daher das Innerste und Kostbarste des Menschen, das, was ihn einzigartig und unverwechselbar macht. Diesem unseren innersten Kern immer wieder einmal besondere Aufmerksamkeit zu schenken, das ist das besondere Anliegen unserer Wohlfühltage ganz im Sinne des hintergründigen Satzes von Karl Valentin: „Heute besuche ich mich! Hoffentlich bin ich zuhause!“ Wer „am eigenen Leib“ versucht, den Bedürfnissen seiner Seele Raum zu geben, wird darüber staunen, wie leicht das gehen und wie wohltuend das sein kann, das Hamsterrad des beruflichen Alltags immer wieder einmal bewusst zu verlassen.

Wir leben in einer scheinbar von internationalen Konzernen regulierten Welt. Welche Aufgabe hat möglicherweise die Ethik dabei?

Mettnitzer: Wohin in dieser Welt wir auch blicken mögen: Was wir alle dringend brauchen, ist ein höchst fälliger Wandel von einer Ressourcenausnutzungsmentalität hin zu einer persönlichen Potentialentfaltungskultur. Weg vom Raubtierkapitalismus hin zu einer „Ko-kreativität“, die uns miteinander mehr Freude und Begeisterung entdecken lässt als vertraglich geregelte Kooperation, die ja doch nur den eigenen Vorteil allein im Blick hat.

Ronacher: Ethik beginnt bei der Familie. Ethik ist ein bewusstes Thema, das im Privaten den Kindern und im Beruflichen den Lehrlingen nähergebracht werden will. Kein Gast spricht über den goldenen Wasserhahn, der schnell vergessen ist. Ich lese sehr gerne unsere Gästebewertungen, die bestätigen, dass der Ronacher Gast unsere Mitarbeiter als die besten, freundlichsten und kompetentesten erlebt. Das ist es, was unser Gast mitnimmt: Das Erlebte und nicht nur die schöne Ausstattung. Wir wollen den Gästen auch den „Geschmack der Kindheit“ zurückbringen: Das beginnt bei der Auswahl der heimischen, nahen Lebensmittel, geht über den achtsamen Umgang mit den Ressourcen und hört eigentlich nirgendwo auf. Denn wenn Sie mal ein Ei mit dunkelgelbem Dotter von unserem Bio-Bauern Obereder aus Gnesau gegessen haben, wollen Sie nie mehr ein anderes Frühstücksei essen. Das Ronacher bietet seinen Gästen die Gelegenheit, mit besonderen Persönlichkeiten und geistlichen Meistern über die wesentlichen Fragen des Lebens zu reden.

Wie viel Glück braucht man zum Glück?

Mettnitzer: Sehr viel. Ich spreche gerne vom gelungenen, glücklichen Leben – das hängt nicht nur mit der eigenen Tüchtigkeit zusammen, sondern ist ein Zusammenspiel von allen möglichen Faktoren. Die allermeisten davon sind eben nicht erklärbar. Fürs Glück braucht man also eine gehörige Portion Glück. Es bedarf aber einer „Glücksstrategie“, dass man alle Chancen die man bekommt, auch nutzt.

Ronacher: Nur ein gelungenes Leben ist ein glückliches Leben. Schon als junges Mädchen habe ich mich gefragt: „Wie will ich mich als 80-jährige Frau sehen?“ – Glücklich. Wir bekommen Chancen, die wir nutzen sollen und bekommen dadurch Bestätigung. Auch das ist für mich Glück – eine Chance die sich ergibt, die wir beim Schopfe packen und etwas Großartiges daraus machen. Im besten Fall machen wir auch noch andere damit glücklich.

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