Elisabethinen-Krankenhaus Klagenfurt installiert hochmoderne Lichttechnik

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Innovativer Sonnenschein unterstützt die schnellere Genesung: Eines der speziellen Patientenzimmer auf der Intensivstation des EKH. Die Lichtlösung soll den natürlichen Tag-/Nachtrhythmus unterstützen, Orientierung geben sowie das allgemeine Wohlbefinden der Patienten fördern - © Helge Bauer

Eine Intensivstation wie unter freiem HimmelEin neues, dynamisches Lichtkonzept auf der Intensivstation des Elisabethinen-Krankenhauses Klagenfurt soll den tatsächlichen Tag-Nacht-Rhythmus nachahmen und somit den Genesungsprozess der Patienten maßgeblich unterstützen. Die neue Lichttechnik soll u.a. auch Verwirrtheitszustände (Delir) von Patienten auf der Intensivstation vermeiden sowie Stress und Angstgefühle abzubauen.

Patienten auf Intensivstationen befinden sich oft in einem kritischen Gesundheitszustand, in dem verschiedene Faktoren den Erfolg der Behandlung beeinflussen. Heute wissen wir, dass gerade hier dem Licht eine besondere Beachtung geschenkt werden muss. Die Beleuchtung in Zimmern muss möglichst funktional sein, um gut arbeiten zu können. Zudem sollte eine möglichst wohnliche Lichtatmosphäre geboten werden. Neuerdings ist man sich aufgrund der wissenschaftlichen Erkenntnisse sicher, dass das Fehlen des normalen Tag-Nacht-Rhythmus die Entwicklung von Verwirrtheitszuständenfördert.

Vier Betten der Intensivstation im Elisabethinen-Krankenhaus Klagenfurt wurden nun mit speziellen Leuchten derFirma Zumtobel ausgestattet, um die Genesung von Patienten in diesem kritischen Gesundheitsstadium zu unterstützen.

Delir-Prävention setzt neue Maßstäbe
Das Delir (Verwirrtheit zB. nach OP’s) stellt eine große Herausforderung für die Intensivmedizin dar, sagt Prim. Priv.-Doz. Dr. Michael Zink, D.E.A.A., Vorstand  der Abteilung für Anästhesiologie undIntensivmedizin am Elisabethinen-Krankenhaus Klagenfurt. „Es tritt bei abhängig von den Begleitumständen bei bis zu 80 Prozent der Patienten auf, die intensivmedizinisch behandelt werden. Von einem auf den anderen Moment ist der Patient völlig verwirrt. Es treten Einschränkungen im Bewusstsein, Gedächtnislücken und Wahrnehmungsstörungen auf“, beschreibt Zink. In diesem Zustand kann der Patient seine Genesung nicht mehr unterstützen und macht gefährliche Aktionen, wie z.B. das Herausziehen von Schläuchen, das dann schwere Komplikationen nach sich ziehen kann. Auch eine Lungenentzündung zählt in diesem Zustand zu den großen Risiken, da eine kooperative Atemtherapie nicht mehr gemacht wird.

Biologisch wirksame Beleuchtung im Intensivzimmer
Das neue Lichtkonzept auf der Intensivstation des Ordenskrankenhauses in Klagenfurt basiert auf dynamischem Licht, das in Helligkeit und Farbtemperatur dem Tagesverlauf des Sonnenlichts entspricht. Durch die Anwendung hoher Lichtmengen untertags und Dunkelheit und Ruhe in der Nacht soll die normale Melatoninausschüttung erhalten bleiben, die maßgeblich für den Schlaf-wach-Rhythmus verantwortlich ist.

Die Beleuchtung lässt sich zusätzlich auf die jeweiligen Bedürfnisse und den Zustand des Patienten anpassen. Hierbei wird eine fast naturgetreue Lichtsituation realisiert. Dieser „natürliche Verlauf“ des Beleuchtungsniveaus und der Lichtfarbe gibt den Patienten, die oft zu wenig Tageslicht erhalten, ein Gefühl von Normalität und Vertrautheit. Zusätzlich erzeugt diese sonst unübliche Lichtmenge nicht nur bei den Patienten, sondern auch bei den Mitarbeitern ein positives Gefühl.

Positive Lichtwirkung auch für Ärzte, Pflegepersonal und Angehörige © Zumtobel/Pinjo

Anpassung der Lichtstimmung
Abteilungsvorstand Zink demonstriert: „Über den Betten schweben künstliche Himmel, große Bildschirme, die je nach Tageszeit und Wetterlage in verschiedenen Farben leuchten. Ist der Himmel bedeckt, verdunkeln sich die Lichtdecken. Scheint die Sonne, ist auch der Himmel, den die Patienten sehen, hell. Gegen Abend wird das Licht im Raum gedimmt. Das fördere und stabilisiere den Biorhythmus der Patienten.“

Das Wohlbefinden der Patienten wird dadurch gestärkt und der Genesungsprozess positiv beeinflusst. Bei einem Notfall ist aber jederzeit eine perfekte Untersuchungsbeleuchtung mit neutral- weißer Lichtfarbe und guter Farbwiedergabe mit einem Knopfdruck abrufbar.

Multimodaler Ansatz
„Die Licht-Therapie ist Teil eines multimodalen Ansatzes zur Delir-Vorbeugung, den das EKH verfolgt“, betont Abteilungsvorstand Prim. Priv.-Doz. Dr. Zink. Dazu zählen darüber hinaus der Verzicht auf Medikamente, die Verwirrtheitszustände auslösen können, und die Geräusch-Reduktion, indem Alarme vom Patientenzimmer weg nach außen geleitet werden. „Wir lassen den Patienten nachts in Ruhe. Das ist ein Paradigmenwechsel, den die gesamte Intensivmedizin erfasst hat“, so Zink.

Mit Lichttechnik gegen Delir – Vorstand der Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin Prim. Priv.-Doz. Dr. Michael Zink, D.E.A.A.

Licht-Steuerung via Tablet
Der behandelnde Arzt kann auf einem Tablet-Computer die Licht-Parameter passend zum aktuellen Gesundheitszustand eingeben. Ermöglicht wird diese Technik durch diese besonderen Leuchten, die fast blendfrei am Auge das richtige Licht zur Verfügung stellen. Diese Leuchten enthalten spezielle LED-Lampen, die gesteuert erden können. In Simulationen wurde zusammen mit der Firma Zumtobel die notwendige Anordnung und Einstellung erarbeitet. Als Basis dieser Evaluierung wurden wissenschaftliche Daten herangezogen. Nun können wir vom Sonnenaufgang über das Gefühl zu Mittag “unter freiem Himmel” liegen bis zum Sonnenuntergang alles darstellen.

Beachtliche Größe
Die Lichtdecke erstreckt sich vom Kopf bis zum Fuß des Patienten. Zudem ist sie als Raum im Raum konstruiert. Das bedeutet, der Screen ist zum Fußende hin gewölbt. Die LED-Lichtdecke füllt somit das komplette Blickfeld aus und erweckt das Empfinden eines Horizonts.

Die Intensivstation des EKH
Die interdisziplinäre Intensivstation des Elisabethinen-Krankenhauses Klagenfurt steht unter der Leitung der Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin. Das Team rund um Abteilungsvorstand  Prim. Priv.-Doz. Dr. Michael Zink, D.E.A.A., betreut Patienten, welche der größten Aufmerksamkeit bedürfen, da ihre Lebensfunktionen bedroht sind. An der Abteilung werden alle notwendigen Methoden und Behandlungsstrategien angewandt, um den anvertrauten Patienten zu helfen. Dies reicht von der normalen Basisintensivtherapie inklusive Beatmung über Dialyse bis hin zur komplexen apparativen Unterstützung von erkrankten Körperfunktionen.

Fotos: © Helge Bauer und Zumtobel