Eröffnung des erneuerten und sanierten Gailkraftwerkes Schütt

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Eröffnung des erneuerten und sanierten Gailkraftwerkes Schütt

In einer Bauzeit von etwas mehr als einem Jahr hat die Kelag das Gailkraftwerk Schütt erneuert und saniert und dafür rund 25 Millionen Euro aufgewendet. Das Kraftwerk Schütt ist das größte Laufkraftwerk der Kelag und eines der ältesten Kraftwerke in Kärnten, Teile der Anlage sind mehr als 100 Jahre alt. Es erzeugt nun pro Jahr 62 Millionen Kilowattstunden Strom, das entspricht dem Bedarf von rund 17.000 Haushalten – das sind drei Millionen Kilowattstunden mehr als vorher. Die Wehranlage des Gailkraftwerkes Schütt ist mehr als 100 Jahre alt, das Kraftwerk Schütt 1 erzeugt seit 1911 Strom. Mehr als 50 Jahre alt war auch der Generator im Kraftwerk Schütt 2. Zum Kraftwerk gehören die Wehranlage in der Gail mit der neuen Fischschnecke, ein gut drei Kilometer langer Oberwasserkanal und das Krafthaus mit dem Maschinensatz. Die Fallhöhe beträgt 28 Meter. Das Gailkraftwerk Schütt ist das größte Laufkraftwerk der Kelag. Um das Gailkraftwerk Schütt auch in den nächsten Jahrzehnten weiter betreiben zu können, ent- schloss sich die Kelag, diese Anlage teilweise zu erneuern und zu sanieren.Arnoldstein als Energie-Drehscheibe „Die Sanierung und Erneuerung des Gailkraftwerkes Schütt ist ein wichtiges Element unserer Unternehmensstrategie, bestehende Kraftwerke zu optimieren und zuverlässig weiter zu betreiben“, sagt Armin Wiersma, Vorstand der Kelag.

Ein zweites wichtiges Element der Unternehmensstrategie ist die verstärkte Nutzung erneuerbarer Energieträger zur Stromerzeugung. „Die Erneuerung und Sanierung des Kraftwerkes Schütt hatte die Dimension eines Neubaus, bis zu 100 Fachkräfte waren auf den einzelnen Baustellen beschäftigt“, erläutert Wiersma. „Die Erneuerungen und Sanierungen führten zu einer Effizienzsteigerung dieses Wasserkraftwerkes, sowohl die Leistung als auch die Jahreserzeugung konnten gesteigert werden.“

Rückblick auf die Bauarbeiten
Während der Bauarbeiten an der Wehranlage floss die Gail durch ihr altes Flussbett. Im Oktober 2018 beeinträchtigte ein Hochwasser die Ufersicherung auf der Nordseite und ließ einen Baukran umstürzen. Deswegen musste die Ufersicherung mit einer Mauer parallel zur Wehranlage und einer Steinschlichtung entlang des Ufers erneuert werden.

Fischaufstieg in Form einer Fischschnecke
Neu errichtet wurde auch die Fischaufstiegshilfe in Form einer Fischschnecke. Sie besteht aus zwei großen, sich drehenden Zylindern. In einem Zylinder können die Fische den Niveauunterschied an der Wehranlage von sechs Metern überwinden, durch den zweiten Zylinder fließt das Restwasser und er- zeugt dabei Strom. „Diese Form des Fischaufstieges ist für uns eine technisch-ökologische Innovation“, sagt Manfred Freitag, Vorstand der Kelag. „In der Schütt haben wir die richtigen Randbedingungen für eine Fischschnecke. Dieser Fischaufstieg hat außerdem den Vorteil, dass er zusätzlich Strom erzeugt, pro Jahr rund 500.000 Kilowattstunden.“ Seit dem Sommer 2019 ist die Fischschnecke in Betrieb. Die ersten Erfahrungen haben gezeigt, dass sie funktioniert und Fische auf diesem Weg die Wehranlage passieren können. Sie ist nun huchentauglich.

Abdichtung des Oberwasserkanals
Beim teilweise mehr als 100 Jahre alten Oberwasserkanal musste zunächst an einigen Abschnitten der Untergrund saniert werden, ehe auf der ganzen Länge eine Oberflächenabdichtung aus Kunststoff aufgebracht wurde. „Auf diese Weise wurde der Oberwasserkanal absolut dicht, außerdem verringerten wir die Rauigkeit und verbesserten so das Fließen des Wassers“, erläutert Freitag.

Erneuerung des Maschinensatzes
Bei der 55 Jahre alten Kaplanturbine im Krafthaus wurde das alte Laufrad ausgebaut und durch ein neues Laufrad ersetzt. Das neue fünfflügelige Laufrad kann durch die optimierte Geometrie das Was- serdargebot der Gail besser nutzen und die Leistung der Turbine von 10 auf 12,5 MW steigern. „Außer- dem bauten wir einen neuen Generator ein und brachten die elektrische Schaltanlage, die Automatik und die Leittechnik auf den aktuellen Stand der Technik“, erklärt Freitag. Der neue Maschinensatz im Kraftwerk Schütt ist die größte Kaplanturbine der Kelag.

Auswirkungen auf die Umgebung
Die Anlagen des Kraftwerkes Schütt befinden sich im gleichnamigen Natura-2000- und Naherholungsgebiet in der Marktgemeinde Arnoldstein. Die Arbeiten der Kelag hatten Auswirkungen auf Anrainer, Erholungssuchende und Wanderer. Durch den freien Durchfluss über die Wehranlage waren der Wasserspiegel und der Wasserabfluss in diesem Abschnitt der Gail höher als gewohnt. Die bei vielen Menschen beliebten Sandbänke im Flussbett der Gail lagen unter dem Wasserspiegel, außerdem war während der Bauarbeiten der Übergang über die Wehranlage nicht möglich. Die Bauarbeiten wurden zeitlich auf die Natur und Umwelt abgestimmt. So wurde im Sommer die Brutzeit von Flussuferläufern und Flussregenpfeifern abgewartet, bevor die Arbeiten begannen. Sie wurden von einer ökologischen Bauaufsicht begleitet. Seit dem Abschluss der Bauarbeiten ist das Gebiet um das Gailkraftwerk Schütt wieder wie gewohnt für Spaziergänger, Wanderer und Badegäste benutzbar, auch der Übergang über dieWehranlage zur Almwirtschaft ist wieder möglich.

Landesrätin Schaar: „Ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz!“
Energiereferentin Landesrätin Sara Schaar gratuliert der Kelag zur Sanierung des Gailkraftwerkes Schütt. „Mit diesem Projekt leistet die Kelag als nachhaltiger Energieversorger einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Die erfolgreiche Erneuerung des Kraftwerks mitten in einem Natura-2000-Gebiet zeigt, wie es gelingen kann, dass Ökologie und Ökonomie Hand in Hand gehen. Zudem macht das Projekt deutlich, dass es bei der Energiewende nicht nur um die Umsetzung neuer Projekte, sondern auch ganz stark um Investitionen in die Effizienzsteigerung bestehender Anlagen geht.“

Arnoldstein als Energie-Drehscheibe
Erich Kessler, Bürgermeister der Marktgemeinde Arnoldstein, streicht bei der offiziellen Inbetriebnahme des erneuerten und sanierten Kraftwerkes Schütt die gute Zusammenarbeit mit der Kelag hervor: „Unsere Drei-Länder-Gemeinde zeigt sich nicht nur als e5-Gemeinde, Klimabündnis-Gemeinde und Naturpark-Gemeinde sehr energiegeladen, sondern hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten mit dem größten Energieversorger Kärntens innerhalb unseres Gemeindegebietes fünf Großprojekte umgesetzt. Die Fernwärmeversorgung der Ortsteile Arnoldstein und Gailitz, der Bau des Flusskraftwerkes Gailitz, die Errichtung der Gasleitung von Villach nach Arnoldstein zum Industriestandort, der Fernwärmetransportleitung nach Villach und schließlich die umfangreiche Erneuerung und Sanierung des Flusskraftwerkes Schütt sind Kooperationsprojekte, die für unsere Marktgemeinde eine besondere Aufwertung bedeuten.“

Fotos © Kelag