Eröffnung des Sammlungs- und Wissenschaftszentrums des Landesmuseums Kärnten

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Festakt anlässlich der Eröffnung des Sammlungs- und Wissenschaftszentrums des Landesmuseums Kärnten. Am Bild (v.l.n.r.): LH Peter Kaiser, Monika Kircher (Vorsitzende des Museumskuratoriums), Wolfgang Muchitsch (wissenschaftlicher Direktor des Universalmuseums Joanneum) und Igor Pucker (Abteilungsleiter der Abt. 14, Kunst und Kultur).

LH Kaiser: Museen sind das Gedächtnis eines Landes mit dem Sinn und Zweck, Vergangenes, gegenwärtig auch mit Zukunftsgestaltung zu verbinden.

Klagenfurt (LPD). Über 6.000 m² groß ist das neue Sammlungs- und Wissenschaftszentrum des Landesmuseums Kärnten. Alle wissenschaftlichen, organisatorischen, konservatorischen und handwerklichen Dienste sind hier nun an einem Ort versammelt. Heute, Samstag, wurde das neue Depot von Kulturreferent Landeshauptmann Peter Kaiser im Beisein vieler Ehrengäste eröffnet.

Der Kulturreferent stellte die Frage in den Raum, wozu Museen eigentlich gebraucht würden: „Museen sind das Gedächtnis eines Landes mit dem Sinn und Zweck, Vergangenes, gegenwärtig auch mit Zukunftsgestaltung zu verbinden.“ 7,685 Millionen Euro Investition, das Aufbewahren von über zwei Millionen Sammlungsstücken, die tägliche harte Arbeit aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und schließlich eineinhalb Jahre Bauzeit hätten sich gelohnt, denn das Landesmuseum sei die Visitenkarte Kärntens.

Für das Landesmuseum Kärnten sei die Inbetriebnahme der neuen Infrastruktur ein wichtiger Meilenstein in Vorbereitung auf die Wiedereröffnung des Haupthauses Rudolfinum in Klagenfurt. „Dieses neue Sammlungs- und Wissenschaftszentrum und das Rudolfinum sind untrennbar miteinander verbunden“, sagte Kaiser, der auch mit einer großen Neuigkeit aufwarten konnte. Eine Stunde vor dem Festakt sei es gelungen, eine sehr großzügige Widmung zu bekommen: „Nach langen Verhandlungen erhält die Museumsbibliothek von Eike Rathgeber, einer Wiener Musikwissenschafterin, 8.000 Bücher ihres Mannes. Damit umfasst die Bücher-Sammlung rund 150.000 Werke.“

„In Zeiten einer umfassenden Digitalisierung mag ich Begegnungen mit den uns zur Verfügung stehenden Sinnen“, sagte der Landeshauptmann und appellierte so an die vielen Besucherinnen und Besucher, unbedingt die Gelegenheit zu nutzen, und sich alles im neuen Sammlungs- und Wissenschaftszentrum des Landesmuseums Kärnten anzusehen. „Wir sind uns der Verantwortung für das Gedächtnis des Landes bewusst, heute ist ein großer Tag für Kärnten, seine Geschichte – gegenwärtig und für die Zukunft.“

In Vertretung der Landesräte Martin Gruber und Sebastian Schuschnig lobte Landtagsabgeordneter Markus Malle die moderne und zukunftsträchtige Entscheidung. „Großer Dank gilt dem früheren Kulturreferenten LR Christian Benger, der für das Landesmuseum gekämpft hat und ganz besonders Landeshauptmann Peter Kaiser, der das Projekt glänzend zu Ende geführt hat und immer zu dem Haus gestanden ist.“

Klagenfurts Bürgermeisterin Maria-Luise Mathiaschitz gratulierte dem Museums-Team und dankte Kulturabteilungsleiter Igor Pucker sowie dem wissenschaftlichen Geschäftsführer Christian Wieser für die gute Zusammenarbeit. „Das Gedächtnis des Landes ist im 21. Jahrhundert angekommen.“

Kulturabteilungsleiter Igor Pucker lobte das ausgezeichnete Zusammenwirken des Museum-Teams und des Immobilienmanagements mit externen Experten. „Die Zeit war nicht einfach“, so Pucker. Die Implementierung, Konzeption und Umsetzung eines Sammlungs- und Wissenschaftszentrums dieser Größenordnung, dazu der Neuaufbau des Stammhauses Rudolfinum, sei ohne die Unterstützung und das Know How der wesentlichen Fachleute Österreichs nicht möglich. Baulich, strukturell und organisatorisch sei eine neue Gesamtausrichtung geschaffen worden, mit der das Landesmuseum Kärnten als natur- und kulturwissenschaftlicher sowie kunstgeschichtlicher Leitbetrieb neu positioniert werde. „Das neue Sammlungs- und Wissenschaftszentrum befreit das Haupthaus räumlich – es ist ein Haus der Begegnung, Bildung, Konversation und Konfrontation“, sagte Pucker.

„Mein Herz hat immer für Kunst, Kultur, Wissenschaft und Bildung geschlagen“, sagte Monika Kircher. Heute sei der erste Schritt gelungen, aber es sei noch viel zu tun. „Wir wollen und werden ein lebendiges, zeitgemäßes und interaktives Landesmuseum sein.“

„Die Sammlung ist das Herzstück und das Alleinstellungsmerkmal, wir haben den Auftrag, im Sinne des Generationenvertrags, diese auch zu erweitern.“ Es gebe auch die große Herausforderung der digitalen Transformation, die aber nicht nebenbei vom Team gemacht werden könne. „Dafür braucht es neue Ressourcen“, so Wolfgang Muchitsch, Präsident des Österreichischen Museumsbundes und Direktor des Grazer Universalmuseums Joanneum.

„Im Juli 2018 erfolgte der Baustart mit dem Landesimmobilienmanagement als Baukoordinator und dem Landesmuseum Kärnten als Bauherr. Die Anforderungen des Nutzers wurden zu 100 Prozent erfüllt und im Dezember 2018 konnte das Sammlungs- und Wissenschaftszentrum zum Bezug für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter freigegeben werden“, berichtete Reinhard Bachl vom Landesimmobilienmanagement.

Die Inbetriebnahme des neuen Sammlungs- und Wissenschaftszentrums sei mit einer großen Übersiedlungsaktion verknüpft gewesen. „Zwei Millionen Objekte, vom millimeterkleinsten Insekt bis zum 18 m2 großen Panoramagemälde, wurden übersiedelt und im neuen Sammlungs- und Wissenschaftszentrum untergebracht“, erläuterten Christian Wieser und Caroline Steiner als Verantwortliche für die wissenschaftliche und kaufmännische Geschäftsführung.

Der Transfer der auf zehn Depotstandorte zersplitterten Sammlungen des Landesmuseums begann im Dezember 2018. Gebäudetechnik und Einrichtung dienen vor allem dem optimalen Schutz und der bestmöglichen Aufbewahrung des „Antlitz und Gedächtnisses des Landes Kärnten in Objekten“. Die Klimatisierung erfolgt durch modernste Gebäudetechnik, welche die Standards zur Lagerung von Museumsobjekten hinsichtlich Temperatur und Luftfeuchtigkeit garantiert und für die Schaffung einheitlicher Klimabedingungen sorgt. 4.000 m² gibt es für die Sammlungen, 1.500 m² für Bürofläche, 500 m² für Werkstätten und Restauratoren. Die Gesamtkosten der Errichtung des neuen Sammlungs- und Wissenschaftszentrums betragen rund 7, 7 Millionen Euro.

Unter den vielen Gästen waren Landesamtsdirektor Dieter Platzer, Jakob Strauß, zweiter Landtagspräsident, Landesrechnungshof-Direktor Günter Bauer, Claudia Fräss-Ehrfeld, Präsidentin des Geschichtsvereins für Kärnten, Univ.-Prof. Franz Walter, Vizepräsident des Naturwissenschaftlichen Vereins und der frühere Direktor des Landesmuseums Erich Wappis. Für die Moderation sorgte Martina Klementin.

Foto © LPD Kärnten/Helge Bauer