Von wegen schlechtes Image

Handwerk hat Goldenen Boden

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Von links: LH Peter Kaiser, Sieger des IV-Lehrlingswettbewerbs und Erich Dörflinger (Vorsitzender Arbeitskreis Lehrlingsausbildung der IV Kärnten).

In Österreich gibt es über 206 verschiedene Lehrberufe. 2015 entschieden
sich knapp 110.000 Jugendliche für eine Lehre, Spitzenreiter der Republik ist Oberösterreich mit 23.660 Lehrlingen, Kärnten belegt mit fast 8.000 Lehrlingen das Mittelfeld* – die Lehre ist also noch nicht aus dem Rennen um die beste Ausbildung ausgeschieden.

Das zeigt auch das Bau-Lehr- lings-Casting der Landes- innung Bau, das im November zum dritten Mal in Klagenfurt stattfand. Dabei stellen sich Schüler aus ganz Kärnten einem Wettbewerb, bei dem es nicht nur um handwerkliches Geschick, sondern auch um Köpfchen, Auftreten und Sportlichkeit ging. Das heurige Casting brachte einen Teilnehmerrekord mit sich: 53 interessierte Schülerinnen und Schüler stellen sich der Herausforderung um den begehrten ersten Platz das sind mehr als doppelt so viele wie beim ersten Casting.

Die Lehre im Zwiespalt der Gesellschaft
Wie steht es eigentlich um die Lehre? In den letzten Jahren hat sich das Image der Lehre immer mehr ins Negative entwickelt. Wo in früheren Genera- tionen das Erlernen von Handwerks- berufen völlig normal und anerkannt war, stehen heute Fachhochschulen und Universitäten. Man darf Universitätslehrgänge und FH-Abschlüsse keinesfalls ablehnend darstellen, jedoch ist zu bemerken, dass sich der Bildungsweg der Lehre im Wandel beendet. Aber: Eine Lehrausbildung ist eine völlig legitime Ausbildung und niemand hat mehr oder weniger, wenn er eine Lehre macht auch wenn das von einem Großteil der Gesellschaft angenommen wird. Landesinnungsmeister Stellvertreter Friedrich Reinbold aus der Fachgruppe der Dachdecker, Glaser und Spengler spricht sich klar für einen Lehrberuf aus:

„In Österreich haben wir die Möglichkeit, Karriere und Lehre. Dieses System müssen wir stärken und die Jugend dafür begeistern.“

Lehrausbildung: Viele Vorteile
Ein großer Vorteil, den die Lehre offensichtlich mit sich bringt: Direkt nach der Schulausbildung verdient man Geld. Das führt unmittelbar dazu, dass man mit einer Lehre schneller unabhängig wird und schon früh auf das Berufsleben vorbereitet wird, in das andere erste Jahre später eintreten: Neben dem eigentlichen Lehrberuf übt man sich schon im Jugendalter im Haushalten, in Pünktlichkeit und Belastbarkeit. Eine Lehre bietet eine besonders praxisnahe Möglichkeit der Schulung, wobei Unternehmen davon pro tieren, dass sie ihre zukünftigen Fachkräfte gleich selbst ausbilden. Auf diesem Weg kennen die Schüler nach dem positiven Abschluss ihrer Lehrausbildung bereits den Betrieb wie ihre Westentasche und haben zusätzlich zumeist einen fixen Arbeitsplatz in Aussicht.

Nie mehr Schule?
Das sogenannte duale Ausbildungssystem koppelt Ausbildungsbetriebe und Berufsschulen. Der Anteil an Unterricht und Arbeitszeit ist genau festgelegt und aufeinander abgestimmt. Der stete Wechsel zwischen Betrieb und Schule macht den Alltag spannender und vermittelt eine umfassende beruf- liche Grundbildung sowie alle notwendige praktischen und theoretischen Kenntnisse und Fähigkeiten, die im jeweiligen Beruf benötigt werden. Außerdem gibt es die Möglichkeit der „Lehre mit Matura“ das heißt Matura und Lehrausbildung in einem. Eine Lehre schließt also eine höhere schulische Ausbildung nicht automatisch aus.

Bei den Jungen immer noch gefragt
Das Bau-Lehrlings-Casting in Klagenfurt ist nur ein Beispiel für den Wert, den die Lehre bei vielen jungen Leuten auch heutzutage noch hat. Der Sieger des Wettbewerbs Heinzi Gebhard durfte sich über eine professionelle Unterstützung bei der Lehrstellensuche freuen, aber auch alle anderen Teilnehmer pro tierten davon: Sie bekamen von den mitwirkenden Unternehmern Tipps für ihre künftigen Bewerbungen und eine Urkunde für ihre Leistungen beim Casting. Auch bei den Industrielehrlingen stehen Engagement und Begeisterung für ihre Ausbildung hoch im Kurs. 56 Lehrlinge aus 18 Unternehmen nahmen am 7. Lehrlingswettbewerb der IV Kärnten bei FunderMax in St. Veit teil.

Sie gewannen je 1.000 Euro Konto- guthaben vom Hauptsponsor Kärntner Sparkasse. Die Zweitplatzierten erhielten je 750 Euro Kontoguthaben, die Drittplatzierten freuten sich über je 500 Euro Kontoguthaben. Als Überraschung wurden heuer drei vom Gastgeber FunderMax gespendete Hoverboards verlost und von Personalleiter Michael Kühnel übergeben. Die Begrüßung hatte in der Früh Geschäftsführer René Haberl übernommen. Der IV-Lehrlings- wettbewerb wurde seinerzeit entwickelt, um zu zeigen, was Industrielehrlinge in den allgemein bildenden Fächern zu leisten imstande sind.

Leere Zukunft?
Das System der dualen Ausbildung be ndet sich in einer Krise. Nach der Pflichtschule stehen oft allgemein oder berufsbildende höhere Schulen mit anschließendem Studium an erster Stelle, während die Möglichkeit einer Lehrausbildung immer mehr in den Hintergrund gedrängt wird. Junge Menschen sollten ihren Weg in Zukunft frei einschlagen, ohne Zwänge und Konventionen der Gesellschaft. Es gibt nicht den einen, richtigen Weg in Österreich werden zahlreiche umfassende Ausbildungsformate angeboten. Wichtig ist, dass junge Menschen von ihren Möglichkeiten erfahren, sie ausprobieren und nutzen können. „Man muss einen Beruf wählen, der einem Spaß macht“, fasst Bau-Landesinnungsmeister Robert Rauter zusammen.

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