Interview

Kein Grund, hinauszuzögern!

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Sylvia Gstättner, Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Kärnten

Viel zu oft hört sie von Frauen noch das Argument, nicht arbeiten gehen zu können, weil es keine adäquate Kinderbetreuung gibt. Mit der Verabschiedung des neuen Kinderbetreuungsgesetzes soll das nun leichter werden, indem Tagesmütter und -väter in Betriebe einziehen können. Sylvia Gstättner, Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Kärnten und Kärntner Landesvorsitzende von Frau in der Wirtschaft im Interview über eine Herzensangelegenheit.

Advantage: Wie weit sind wir gesellschaftlich in der Sommerbetreuung unserer Kinder?

Sylvia Gstättner: Es geht nicht nur um die Sommerbetreuung, sondern auch um jene im Herbst. Für jene, die Schulanfängerkinder haben, hat sich in den letzten Jahren leider nicht viel geändert. Diese Situation ist in keiner Weise mit dem Alltag berufstätiger Eltern zu verbinden, wenn es in den ersten zwei Wochen noch keinen regulären Stundenplan gibt.

Im Juli wurde das neue Kinderbetreuungsgesetz versabschiedet. Was ändert sich damit?

Nun ist es auch in Karnten möglich – wie es in anderen Bundeslandern bereits gelebte Praxis ist –, Betriebstageseltern zu beschaftigen. Uns war wichtig, dass die gleichen Rahmenbedingungen gelten wie fur normale Tagesmutter und -vater. Das betrifft sowohl die Anforderungen hinsichtlich der Raumlichkeiten als auch die Betreuungsdichte. Es sollte nicht schwerer sein als bisher.

Gibt es dennoch Hürden, die bestehen?

Schade ist, dass die Betriebe diese neuen Möglichkeiten mit Stichtag Schulbeginn nicht nutzen können, weil zwar das Gesetz vorhanden ist, jedoch vom Land noch keine Förderrichtlinien herausgegeben wurden. Es wäre wichtig gewesen, dass die Förderrichtlinien jetzt wirksam sind, da es beim Bund Geld abzuholen gibt. So ist das Gesetz derzeit nicht umsetzbar.

Betriebskindergärten sind nichts Neues. Worin liegt der Unterschied?

Ein Betriebskindergarten rechnet sich wirklich erst ab einer gewissen Größe. Man hat hohe Auflagen, die nicht vergleichbar sind mit den Rahmenbedingungen für Tageseltern. Deshalb ist diese Lösung für klein- und mittelständische Unternehmen so interessant, da sie eine ganze Kindergartengruppe nicht vollbekommen wurden. Ab sechs Kindern kann man eine Tagesmutter oder -vater beschäftigen. Es soll eine sinnvolle Ergänzung sein.

Gibt es denn bereits Betriebe, die sich dafür interessieren?

Beispielsweise das Deutschordenskrankenhaus in Friesach hätte gerne eine solche Einrichtung angeboten. Als Betrieb muss ich aber in den meisten Fällen ein wenig Vorlaufzeit haben, um Umbau und Adaptierung der Räumlichkeiten vorzunehmen. Doch Förderrichtlinien setzen in aller Regel voraus, dass man nicht vorher damit beginnt. Die meisten Förderungen greifen im Vorhinein. Es gibt keinen Grund, warum de Politik die Sache hinauszögert.

Welche Vorteile hat eine Tagesmutter/ein Tagesvater im eigenen Betrieb?

Ich habe mit vielen berufstätigen Eltern gesprochen, die es praktisch finden, das Kind im selben Gebäude zu wissen und somit nur kurze Wege im Alltag zurücklegen zu müssen. Zudem würde diese Variante die Betreuung von Kindern auch leistbarer machen. Das bringt eine Erleichterung für alle Beteiligten: Die Arbeitsergebnisse sind besser, da man beruhigt arbeiten kann, und auch die Arbeitsausfälle gehen zurück. In Summe wird das ganze Thema Kinderbetreuung entspannt.

Was bedeutet das für den ländlichen Raum?

Es gibt genug Gegenden, wo der nächste Kindergarten weiter entfernt ist und die Öffnungszeiten die Tagesränder nicht abdecken. Betriebstageseltern bedeuten aber nicht nur eine große Chance für die Menschen, sondern auch für Betriebe, die dann auch für Mitarbeiter attraktiver sind. Das Angebot an zukünftige Mitarbeiter, die Kinderbetreuung bereits inkludiert zu haben, bedeutet, dass eine Abwanderung oft nicht notwendig ist und Frauen verstärkt am Erwerbsleben teilnehmen können.

 

Fotocredit: Wolfang Jannach

 

 

 

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