Feuer und Wasser

„Kunst im Dom“ 2019

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Wiegele Michaela

Die Installation der aus Nötsch stammenden Künstlerin Michaela Wiegele und des Glaskünstlers Alois Hechl übernimmt in Struktur und Form die doppelte Dualität der Wirklichkeit: Zwei „griechische“ Kreuze sind in der Luft und auf der Erde einander zugewandt.

Die Dualität kennzeichnet die Alltagserfahrung des Menschen. Das Ich steht immer einem Du gegenüber, die Privatsphäre dem öffentlichen Raum, die Erde dem Himmel, der Mensch seinem Gott. Die Gegenüberstellung kommt im Zeichen des Kreuzes zum Ausdruck, das gewiss das bekanntestes und unverwechselbarste „Logo“ der Christenheit ist. Jeder Kreuzesbalken ist die Verbindung zweier polarhaft gegenüberliegender Endpunkte.

Das am Boden dargestellte Kreuz hat ein Glasbecken auch Floatglas in der Mitte. Die drei Standkugeln sowie der Durchmesser von 900 Millimeter greifen nicht zufällig die kirchliche Symbolsprache auf, die das Bekenntnis der göttlichen Dreifaltigkeit in mathematische Begriffe übersetzt. Das mit Wasser gefüllte Becken ist wird von 200 Millimeter hohen Kerzen aus Rapswachs zu einer weiteren Kreuzesform gezogen. Die je acht Kerzen jedes Armes sind als Hinweis auf die Ewigkeit zu deuten, da eine um 90 Grad gedrehte Acht das
mathematische Unendlichkeitszeichen ergibt. Die Ewigkeit der Dreifaltigkeit wird in diesem Bodenkreuz den Materialien der Welt gegenübergestellt: Feuer (Kerzen), Wasser (im Glas), Erde (Untergrund) und Luft (das durchsichtige Glas). Die horizontale und die vertikale Verbundenheit kommen sowohl in den Materialien wie in der räumlichen Positionierung zum
Ausdruck.

Die kräftigen Farbtöne aus Blau und Violett sollen in der Intention der Künstlerin für die Betrachtenden die „Strahlung einer Ikone“ erreichen, deren Kraft die Schauenden in das Innere zieht. Wie die Ikone ein Tor zum Kosmos und zur geistigen Welt ist, so soll auch die gesamte Installation die Menschen in einen Raum der Stille und des Friedens führen. „Die Erkenntnis, die daraus entspringt kommt einer unmittelbaren Einsicht gleich. Der sprachliche Ausdruck mit seinen analytischen Denkstrukturen vermag es nicht zu formulieren“, erklärt Michaela Wiegele.

Feuer und Wasser

Die Verbindung der Gegensätze

„Wenn sich Christinnen und Christen mit dem Kreuz „besiegeln“, dann erleben sie am eigenen Leib die Verbindung der Gegensätze. Der Himmel wird mit der Erde verbunden, und die Welt mit ihren Menschen und Weltanschauungen ganz links mit jenen ganz rechts. Indem die Hand von der Stirn zur Brust und von der linken zur rechten Schulter geführt wird, kommt die Dynamik des Kreuzes zum Tragen“, so Dompfarrer Peter Allmaier. Das ist keine feste und immer gleichbleibende Struktur, sondern eine stets neu beginnende Bewegung. Das Ich muss seinem Gegenüber immer neu begegnen. Wie Ehepartner ihre Liebe jeden Tag neue und in neuer Form erfinden müssen, so ist auch das Gespräch mit Gott jeden Tag ein anderes, weil kein Mensch heute derselbe ist, der er gestern war – ansonsten hätte er umsonst gelebt, erklärt Dompfarrer Peter Allmaier.

Passionskonzert und musikalischer Schwerpunkt

Neben der Kunstinstallation, die im Rahmen des Gottesdienstes zum Aschermittwoch um 19 Uhr eröffnet wird, gibt es in der vorösterlichen Zeit im Dom auch ein Passionskonzert: Am Sonntag, 7. April, um 16 Uhr werden unter dem Titel „O CRUX AVE“ der Domchor, die Domschola und die Domkantorei und der Domchor den Weg des Leidens Christi mit Musik von der Gregorianik bis ins 21. Jahrhundert meditieren. Brigitte West wird mit bekannter Eloquenz die literarischen Brücken zwischen den Werken spannen. Instrumental wird das Programm durch Matthias Loibner, den wohl vielseitigsten und meistbeschäftigten Drehleierspieler der Welt, bereichert.Darüber hinaus wird auch in diesem Jahr wieder besondere musikalische Gestaltungen der Gottesdienste geben.

Künstlergespräch und Buchpräsentation

Am 31. März., um 11.15 Uhr wird die Künstlerin Michaela Christiane Wiegele mit Dompfarrer Peter Allmaier in der Domkirche zur Kunstinstallation sprechen und mit den Anwesenden ins Gespräch kommen. Musikalisch gestaltet wird das Gespräch von Domorganist Klaus Kuchling. Ebenfalls am 31. März wird um 17.00 Uhr im Franziskussaal das Buch „Dialog im Dom“ präsentiert. Insgesamt 26 literarische Auseinandersetzungen mit den Bibelsonntagen in den Jahren 2011 bis 2017 von Autorinnen und Autoren wie Fabjan Hafner, Engelbert Obernosterer, Johanna König, Harald Schwinger, Ursula Wiegele, Alois Brandstetter, Alfred Goubran u.a. liegen in gedruckter Form vor.

Literarische Messen

Der Umgang mit dem Wort hat im liturgischen Kontext eine besondere Bedeutung. Daher wird auch heuer die Tradition fortgeführt, dass Literatinnen und Literaten, ausgehend von den liturgischen Lesungen des jeweiligen Sonntags einen neuen Text verfassen. Dieser wird in der Messe um 19 Uhr vorgetragen und im anschließenden Predigtgespräch mit dem Zelebranten weiter entfaltet. Die Autorinnen und Autoren werden sein: Engelbert Obernosterer (10. März), Gabriele Russwurm-Biró (17. März), Dr. Felix Kucher (24. März), Dr. Janko Ferk (31. März), Ilse Gerhardt (7. April). Im Anschluss lädt die Dompfarre an jedem Abend zu einer Begegnung in den Dompfarrhof.

Dank an die Sponsoren

Ein Dank gilt auch in diesem Jahr den Sponsoren des Kunstprojekts, allen voran dem Land Kärnten und der Stadt Klagenfurt.

 

Kurzbiographien der beiden Künstler
Projekt „Kunst im Dom“ 2019

Michaela Wiegele
ist in Nötsch im Gailtal aufgewachsen und besuchte das Kolleg für Grafik und Design an der Höheren Graphischen Bundeslehranstalt in Wien. Danach studierte sie Philosophie, Pädagogik und Psychologie an der Universität Wien. Schließlich studierte sie auch an der Universität für angewandte Kunst (Medienklasse Prof. Bernhard Leitner). Wiegeles ungegenständliche Bilder offenbaren Verborgenes in einem diffusen Licht. Die künstlerisch inszenierte Kultur der Stille und der Reduktion geben die Dingen ihr Geheimnis zurück. www.michaelachristianewiegele.at

Alois Hechl-Kreuter
ist in Innsbruck aufgewachsen und hat die Glasfachschule Kramsach/Triol besucht. Er ist ausgebildeter Glasbläsermeister und lebt seit 1991 als freischaffender Künstler in Seebach (St. Magdalen bei Villach) wie er eine Werkstätte und ein Geschäft führt. Er arbeitet hauptsächlich mit Bor-Silikonglas, das vor der Lampe geblasen wird. Neben individueller Einzelfertigung werden Serien von Gläsern erzeugt. Bei der Verarbeitung finden keinerlei Formen Verwendung. Farbe, Struktur und Dekor sind von den ausführenden Händen geprägt. www.hechlglas.com

Fotos: ©  Privat Peter Allmaier

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