Porsche – seit Jahrzehnten

MYTHOS AUF VIER RADERN

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Fotorechte: Porsche AG/KK
Technikerlegende und Begründer des Mythos, der über Generationen fort- lebt: Ferdinand Porsche.
Technikerlegende und Begründer des Mythos, der über Generationen fort- lebt: Ferdinand Porsche.

Die erste Generation baut auf, die zweite erhält, die dritte verjuxt das Ver- mögen: Dieses beinahe sprichwörtliche Schicksal vieler erfolg- reicher Familienunternehmen ist Porsche erspart geblieben.

Der Grund dafür ist eine erstaunliche Häufung technischer und kaufmännischer Talente, die vom Vater an den Sohn und Enkelsohn weitergegeben wurden. Dazu kam noch eine große Portion Lebensklugheit und Disziplin, als die Familie – genauer: Ferdinand Porsches Kinder Ferry und Louise – 1972 den Entschluss fasste, die seit 1937 beste- hende Kommanditgesellschaft in eine AG umzuwandeln und sich aus der Führung des Unternehmens zurück- zuziehen. Ein Schritt zur Professiona- lisierung, der sich auf lange Sicht sehr bezahlt gemacht hat: 1994 verkaufte Porsche 21.000 Autos, im Jahr 2015 waren es mehr als 225.000.

Begonnen hat die ungewöhnliche Erfolgsgeschichte in den dreißiger Jahren, als sich Ferdinand Porsche in Stuttgart mit einem Konstruktionsbüro selbstständig machte. Schon bei der Weltausstellung 1900 in Paris hatte der geniale Konstrukteur, damals 25, unter dem Namen „Lohner-Porsche“ ein Elektroauto vorgestellt. 17 Jahre lang war er technischer Direktor und Chefkonstrukteur bei Austro Daimler in Wiener Neustadt, zuletzt auch bei Steyr.

Die eigene Firma lief prächtig: Porsche entwickelte Autos für Zündapp und NSU, der Auto-Union-Rennwagen mit 16-Zylinder-Mittelmotor raste von Sieg zu Sieg. Ab 1934 schrieb Ferdinand Porsche Automobilgeschichte und entwickelte ein einfaches, haltbares Fahrzeug, das später als VW Käfer Weltruhm erlangen sollte.

Als die Wirren des „Endkampfs“ 1944 das Stuttgarter Werk bedrohten, wurden die Verwaltung mit den wichti- gen Akten, Verträgen und Konstruk- tionszeichnungen und Teile der Produktion kurzerhand nach Gmünd in Oberkärnten verlegt, wo das liebe- voll gep egte Porsche-Museum von Helmut und Christoph Pfeifhofer heute noch an diese große, aber kurze Hoch- zeit der österreichischen Automobil- geschichte erinnert. Immerhin ent- wickelte hier Ferdinands Sohn Ferry Porsche (geboren 1909) neben Wasser- turbinen, Bauernseilbahnen und Trak- toren den ersten richtigen Porsche, den 356, von dem auch rund 50 Stück in Österreich gebaut wurden.

1951 starb der große Techniker Ferdinand Porsche, Ferry und seine Schwester Louise erbten das mittlerweile wieder nach Stuttgart rückübersiedelte Unternehmen zu gleichen Teilen. 1954 kam der Speedster heraus, mit dem James Dean ein Jahr später in den Tod fuhr. 1963 stellte Ferry das nächste Kapitel europäischer Automobilhistorie auf der IAA in Frankfurt vor: den 911. Der hätte eigentlich 901 heißen sollen, aber Zahlenkombinationen mit einer Null in der Mitte waren von Peugeot geschützt. Also hieß der Sportwagen wie der Polizeinotruf in den USA, was seiner Bekanntheit auch dort nicht geschadet haben dürfte.

Und auch die dritte Generation, Louises Sohn Ferdinand Piëch, schaffte es, zu einer Ausnahmeerscheinung der deutschen Automobilindustrie zu werden: Nachdem Porsches die Familie aus der Firma verbannt hatten, stieg der Ferdinands gleichnamiger Enkel 1972 bei Audi ein, entwickelte den legen- dären Fünfzylinder-Motor und den „Quattro“-Allradantrieb, wurde 1993 Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, die er aus der Verlustzone führte und zu einem der größten und profitabelsten Autokonzerne der Welt umbaute. So dynamisch wie als Techniker und Manager war Ferdinand Piëch allerdings auch im Privatleben: Aus vier Beziehungen, einer davon mit der Frau seines Vetters Gerhard Porsche, hat der im nächsten Jahr 80-Jährige zwölf Kinder.

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