“Purpose” ist kein Schönwetterthema

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von links: Josef Ortner, Iris Straßer, Gottfried Kienzl, Werner Hoffmann, Herta Stockbauer, Helmut Petschar

Gerade in Zeiten rasend schneller Veränderung ist es wichtig, seinen Unternehmenszweck ständig zu überprüfen. Sonst steht man als Unternehmen am Ende ohne Kunden oder Mitarbeiter da.

“Purpose” – vor der gemeinsamen Veranstaltung von IV Kärnten, Contrast EY, respACT und BKS Bank in der Zentrale der BKS in Klagenfurt am 10. April wussten wenige der Teilnehmer mit dem neuen “Stern am Modehimmel der Betriebswirtschaft” (Copyright Herta Stockbauer) etwas anzufangen. WU-Professor Werner Hoffmann brachte Licht ins Dunkel, eine hochkarätige Diskussionsrunde aus Kärntner Unternehmern arbeitete sich dann an den eigenen Unternehmensbeispielen ab.

Hoffmann ist ja nicht nur Uni-Professor, mit seinem zweiten Bein steht er bei Contrast EY in der Beratung. Und da hat er immer wieder erlebt, wie wichtig es in Transformationsprozessen ist, den Unternehmenszweck zu hinterfragen. “Wie viel ist von der Gründungsidee noch übrig”, fragt er provokant und liefert spannende Beispiele. Nicht zufällig kommen etliche aus der Automobilbranche. Da ist z.B. Robert Bosch, wo man heute mit 380.000 Mitarbeitern weltweit noch drei Viertel seines Geschäfts mit Verbrennungsmotoren macht. Dort hat man sich angesichts der verordneten Klimawende zu einer gewaltigen Transformation des “Purpose” entschlossen. Man möchte Weltmarktführer bei Antriebssträngen der E-Mobilität und beim autonomen Fahren werden. Mit ähnlicher Motivation sehen sich Autokonzerne heute zunehmend als Mobilitäts-Dienstleister statt als Fahrzeughersteller.

“Make people happy”

“Purpose” ist also beileibe kein “Schönwetterthema”. Besonders schwierig ist es laut Hoffmann für große Unternehmen mit einem breiten Portfolio an Geschäftsmodellen. Wie passen diese zusammen und wie passen sie zum Unternehmenszweck?
Selten lasse sich das so schön auf den Punkt bringen wie bei Walt Disney: “We want to make people happy”, zitiert Hoffmann, vom Zeichentrickfilm bis zum Erlebnispark.
Schon der berühmte, in die USA emigrierte, österreichische Ökonom Peter Drucker hatte den Unternehmenszweck als identitätsstiftend bezeichnet, erinnert Hoffmann. Das gewinne in Zeiten neuer digitaler Geschäftsmodelle, die nicht nur in traditionellen Branchen massive und schnelle Veränderungen bewirken, besondere Bedeutung. Ein gelebter und gut formulierter Unternehmenszweck könne auch in der Motivation der Mitarbeiter viel bewegen. Er gebe ihnen ein Stück weit Sicherheit und bewirke nachweisbar weniger Fluktuation beim Personal.

“Konsument braucht uns nicht mehr”

Anschließend untersuchten die eingeladenen Diskutanten moderiert von Iris Straßer jeweils den “Purpose” ihres Unternehmens. Die Molkerei Kärntnermilch war im Jahr 1928 gegründet worden, um den Bauern eine Vermarktungsplattform zu bieten, schilderte ihr Geschäftsführer Helmut Petschar den Unternehmenszweck. Gleichzeitig habe man damals auch die Ernährungssicherheit der Bevölkerung im Sinn gehabt. Das habe sich heute massiv geändert. Aufgrund der Überproduktion brauche der Konsument die Kärntnermilch nicht mehr. Hier war also Veränderung nötig. Nach 90 Jahren positioniert man sich
heute mit höchster Qualität, Gesundheit und intakter Umwelt. Das bringe Kundenbindung.

Partner der regionalen Wirtschaft

Die Geschichte der BKS Bank reicht sogar noch weiter zurück bis ins Jahr 1922. Schon damals, so die Vorstandsvorsitzende Herta Stockbauer, habe man darauf gesetzt, ein verlässlicher Partner für die heimische Wirtschaft zu sein. Daran habe sich bis heute nichts geändert. 75 Prozent der Kredite gehen an heimische Betriebe, zwei Drittel der Gewinne werden hier erzielt. Sie sieht auch keinen Widerspruch mit dem zu Unrecht gescholtenen “Shareholder Value”. Eine Stakeholder-Befragung habe gezeigt, dass für sie ein verantwortungsvolles Geschäftsmodell an erster Stelle stehe. Die Stakeholder der BKS Bank lehnen “gewisse Geschäftsfelder” wie etwa die Atomindustrie dezidiert ab.

“Besseren Alltag machen”

Gottfried Kienzl, Leiter der Klagenfurt-Filiale eines der weltweit 400 IKEA-Einrichtungshäuser, nennt die Vision des schwedischen Möbelriesen: “Vielen Menschen einen besseren Alltag machen”. Davon abgeleitet ergeben sich Grundprinzipien:
Leistbarkeit, Erreichbarkeit und Nachhaltigkeit. So kündigt Kienzl eine Offensive für Möbelreparaturteams an.

Regionale Zulieferer bevorzugt

Josef Ortners Unternehmen Ortner Reinraumtechnik ist anfangs als  Installationsunternehmen mit seinem größten Kunden gewachsen. Dann musste man wegen steigender Konkurrenz auf den Apparatebau umsatteln. Alle fünf Jahre verordnet sich das Unternehmen eine Klausur und schaut fünf, zehn Jahre in die Zukunft, um den weiteren Weg zu bestimmen. Wichtig ist Ortner aber auch das regionale Umfeld. Konsequent werden, wo es möglich ist, regionale Zulieferer beschäftigt.

Dem kann auch Stockbauer einiges abgewinnen. Der sichere Arbeitsplatz in der Region und das Zahlen von Steuern dort, wo auch die Ergebnisse erzielt werden, sind ihr wichtig. Außerdem ist sie überzeugt davon, dass nachhaltige Ziele ohne Wirtschaft nicht erreicht werden können.

Foto: © IV-Kärnten

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