Wirtschaft

Von der Revolution im Milchregal

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Kärntnermilch-Geschäftsführer Helmut Petschar

Der Konsument von heute fordert in Punkto Milchprodukten Frische und Regionalität. Auch Nachhaltigkeit und Bio-Aspekt sind im Kühlregal gefragt. Wie diese Ansprüche und Lösungen hinsichtlich Unverträglichkeiten erfüllt werden können und dennoch eine faire Partnerschaft mit den liefernden Landwirten gepflegt wird, verrät Kärntnermilch-Geschäftsführer Helmut Petschar im Interview.

Welchen Stellenwert hat Nachhaltigkeit in Ihrem Betrieb?

Die Themen Nachhaltigkeit und Umweltmanagement sind für uns seit vielen Jahren ein wesentlicher Bestandteil. Diesbezüglich sind wir seit 2003 EMAS-zertifiziert*. Das spricht auch für unser Firmenleitbild: Wer die Zukunft erreichen will, muss etwas für die Umwelt tun. Das betrifft auch unsere Mitarbeiter, die Ressourcen- und Energieeffizienz.

Beschreiben Sie uns die Beziehung zu Ihren milchliefernden Bauern!

Die Bauern tun viel mehr als nur die Milch bei uns abliefern! Wir verdanken ihnen die Almenpflege und den Gegenhalt zur Abwanderung vom Land. Die flächendeckende Milch- und Landwirtschaft in Kärnten trägt wesentlich zum heimischen Tourismus, dem Kulturleben und Landschaftsbild bei. Abwanderung und Entwertung der Region werden somit verhindert. Deshalb ist es bei Kärntnermilch wichtig, an den vorhandenen Strukturen festzuhalten. Die gelebte Solidarität in Bezug auf den Milchpreis bedeutet bei uns, dass der kleine Milchbauer im Lesachtal das gleiche Milchgeld erhält wie ein großer Milchbauer, der in unmittelbarer Nähe zu unserem Werk angesiedelt ist.

Wie sieht der internationale Vergleich aus?

Uns ist bewusst, dass wir im internationalen Vergleich niemals Kostenführer sein können. Das wollen wir aber auch nicht. Hingegen wollen wir Qualitätsführer sein. Wir produzieren naturbelassene Produkte. Im Käsebereich gibt es keinerlei Zusätze. Wir erzeugen Produkte ohne Aromenzusatz oder ähnlichen künstlichen Hilfsmitteln. In den letzten 15 Jahren hat eine Revolution im Milchregal stattgefunden! Vor dem EU-Beitritt war das Milchregal überschaubar. Wenn man heute in einen Supermarkt geht, sind die Kühlregale meterlang. Es ist für jeden Geschmackstyp etwas dabei. Wir produzieren hier an diesem Standort über 400 verschiedene Produkte der weißen und gelben Palette im konventionellen Bereich und im Bio-Bereich. Spezialist sind wir für die Herstellung laktosefreier Produkte.

„Bio könnte abgeschafft werden.“ – Wie würden Sie argumentieren?

Für uns ist Bio ein wesentliches Standbein. Von unseren 1150 Bauern sind 270 Bio-Bauern und jeder von ihnen hat eine Daseinsberechtigung – die Qualität muss bei beiden stimmen. Letztendlich entscheidet der Konsument, was er haben möchte. In der Milchkrise sind die Bio-Produkte stabiler geblieben und viele Konsumenten achten auf Regionalität, daher werden Qualitätsmarken auch in Zukunft Bestand haben.

Was zeichnet Kärntnermilch für Sie aus?

Mittlerweile haben wir 14 „Käsekaiser“, sprich Auszeichnungen. Jährlich wird von der Agrarmarkt Austria dieser Preis für den besten Käse in der jeweiligen Kategorie vergeben – Weichkäse, Hartkäse, Schnittkäse, Biokäse. Und die deutsche Landwirtschaftsgesellschaft hat uns die letzten 14 Jahre für die höchste Qualität im Gesamtsortiment ausgezeichnet. Das zeigt uns, dass wir mit unseren Bauern den richtigen Weg eingeschlagen haben. Für uns gelten doppelt so strenge Qualitätskriterien für erste Güteklasse, als es europaweit Standard ist und so können wir mit Überzeugung sagen, dass wir die weltbeste Rohmilch haben. In jeder Produktkategorie gibt es einen Verantwortlichen in Sachen Produktion und einen ausgebildeten Meister – bei uns wird angeschaut, verkostet, beurteilt und erst dann für den Verkauf freigegeben.

Thema Trends– kommen die vom Kunden oder setzt Ihr Unternehmen Trends vor?

Sowohl als auch. Aktuell ist die Zuckerreduktion ein großes Thema. Wir haben den Zucker durch natürlichen Zucker, den Birkenzucker, ersetzt. Vor wenigen Wochen kam unser neuestes Produkt auf den Markt – mit dem Trinkjogurt haben wir rechtzeitig den Trend erkannt. Man darf nicht vergessen, dass die Entwicklungsarbeit viel Zeit in Anspruch nimmt und wir schon vor der aktuellen Zuckerdiskussion dieses Produkt entwickelt haben – bis ein Produkt am Markt ist, dauert es ein Jahr. Zwei bis drei Mal im Jahr veranstalten wir dann ein Konsumentenpaneel, wo 30 bis 40 Konsumenten von jung bis alt verschiedene Produkte von uns testen und verkosten. Und durch diese Rückmeldungen entstehen unsere Produkte, so können wir Trends frühzeitig erkennen und entsprechend umsetzen. Bereits vor sechs Jahren haben wir laktosefreie Milchprodukte auf den Markt gebracht. Im Jahr 1994 waren wir in der Vorreiterrolle, der erste Betrieb mit Bio – was damals belächelt wurde, ist heute nicht mehr wegzudenken. Vor zwei Jahren wurde unsere Bio-Wiesenmilch weiterentwickelt, dabei geht es im Speziellen um Kraftfutterreduktion und Biodiversität, Lebensdauer und Auslauf der Tierherde. Was den Innovationsmechanismus und das Innovationsmanagement anbelangt, sind wir sehr aktiv.

In wie viele Länder wird exportiert?                                                                                                                               

Wir sind in 13 Ländern unterwegs, Schwerpunkt ist Europa – vor allem die Nachbarländer Österreichs. Deutschland ist der wichtigste Markt für uns. Trotz aller Preisdiskussionen mit unseren Kunden gibt es speziell auch im Export Kunden und Käuferschichten, die bereit sind, für Produkte mehr auszugeben, weil sie wissen, dass die strengsten Kriterien dahinterstecken. Und das ist auch im Export unser Erfolgsgeheimnis. 20 Prozent vom Umsatz werden bereits exportiert, daher ist der Export ein wichtiger Markt. Natürlich muss auch da der Qualitätsweg stimmen.

 

Fotocredit: Sissi Furgler Fotografie

 

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